Überlegungen zu seinen herausfordernden und provokanten Thesen

Von Klaus Meyer-Abich

Die Industriegesellschaften bedrohen sich gegenseitig durch Vernichtungswaffen und das Leben insgesamt durch die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Ob wir die industrielle Wirtschaft und Verteidigungspolitik bisheriger Art überleben werden, ist offen. Dies bringt viele Menschen zur Verzweiflung. Im Rahmen einer öffentlichen Diskussion über die politischen Möglichkeiten und zeitlichen Perspektiven, den Ausstieg aus der Atomenergie durchzusetzen, an der ich kürzlich teilgenommen habe, wurde als Zwischenspiel die Moritat von „Susi Säge“ aufgeführt. Susi ist ein scheinbar harmloses Blondchen und trägt eine scheinbar ebenso harmlose Einkaufstüte, darin jedoch eine Eisensäge. Susi sägt Strommasten von Überlandleitungen um. Das System, symbolisiert durch einen Richter mit Robe, knirscht mit den Zähnen, Susi aber ist schon längst wieder in der Menge untergetaucht, wie weiland Mackie Messer.

Das Publikum blieb nur teilweise still, viele klatschten begeistert. Manche jungen Leute sitzen heute im Gefängnis, weil sie Strommasten umgesägt haben. Vielleicht haben auch sie einemal die Rattenfänger-Moritat von Susi Säge gesehen und gedacht: So könnte ich endlich doch etwas tun und nicht nur ohnmächtig zusehen, wie fast nichts geschieht, um dem durch Krieg und Umweltzerstörung drohenden Unheil zu wehren. Aber wir haben gesehen, was aus solchen Anfängen werden kann, wenn dann das Land nicht rot vor Scham wird, den Zwanzigjährigen nicht mehr Hoffnung geboten zu haben, sondern sich schwarz ärgert und entsprechend repressiv reagiert.

Erklärung des Bürgerkriegs

Das politische Unheil, das ich heraufziehen sehe, ist die Allianz zwischen reaktionären Technokraten und ebenso reaktionären Antitechnokraten, oder – persönlich gesprochen – etwa zwischen Herrn Stoiber und Frau Ditfurth. Beide Seiten fühlen sich in einer fatalen Weise im Recht und scheuen auch keine Demagogie. Die einen sind gegen das System und werfen ihm die zunehmende Vergiftung der Lebensgrundlagen vor. Die anderen sind für ihr System und verteidigen es gewaltsam gegen jede Gewalttätigkeit. Beide leben in Angst und von der Angst voreinander, bestärken sich dadurch gegenseitig und sind aufeinander angewiesen. Und gemeinsam stehen sie gegen alle, die den Graben, welcher unsere Gesellschaft hier durchzieht, nicht weiter vertiefen wollen.

Ausgerechnet in dieser Situation tritt der Philosoph und Moralist Günther Anders, dem wir philosophisch tiefste Analysen der atomaren Situation verdanken, der als geistiger Mentor schon der ersten Friedensbewegung gewirkt hat, denen zur Seite, die sagen: