Champagner als Deputat

Cheers! Bei Fortnum & Mason, dem britischsten aller Feinkostlieferanten, ist ein kleiner, aber feiner Club aufgeflogen. Dabei war es, zunächst zumindest, alles ganz diskret zugegangen, wie der Times zu entnehmen ist: „Vier bei F & M angestellte, ehemalige Public-School-Absolventen sind entlassen worden, nachdem sie gestanden hatten, Weine und Spirituosen im Wert von £ 62 500 selbst geleert zu haben. Ein Jahr lang konnte sich das Quartett, meist in der Mittagspause, Woche für Woche Getränke im Wert von £ 1200 einschänken, ohne jemals so betrunken zu wirken, daß sie entdeckt wurden. Getrunken wurde aus Pappbechern.

Die Polizei rief man erst, als bei der Inventur ein unerwartet hoher Schwund festgestellt wurde, und zwar insbesondere bei Weinen der oberen und höchsten Preisklasse. Wie die Kundschaft hielten sich die Zechbrüder an das Motto „Qualität statt Quantität“, und hier wiederum besonders an die reiche Champagner-Auswahl, wo die Flasche schon mal £ 121 kostet. Ein Château Petrus, Jg. 1978, fand ebenso Zuspruch wie ein Château Latour, Jg. 1961 (£ 285). Die historische Auswahl von Samalens Fine Bas Armagnac, die einmal bis ins Jahr 1888 zurückreichte, ist gekappt: der älteste jetzt bei F & M angebotene Armagnac stammt aus dem Jahr 1955.

Die Geschäftsleitung von F & M ist über den Vorfall verständlicherweise geniert ...

Oh ja, sehr verständlich. Ausgerechnet jetzt läuft eine große Werbeaktion für die Brut-Marken des Hauses: „Bis zum 20. Juni 1987 wird ein Meer von Champagner durch die Pforten von Fortnum’s strömen

Unter Beschuß

Die Presseagentur M. Haselbach, in 4552 Tecklenburg 2, wirbt für „Aluminium-Fenster mit eingebauter Sicherheit“: Die „bekannten einbruchhemmenden Fenster“ der Firma W. gebe es jetzt auch „in beschußhemmender Ausführung“. Das „erhöhte Sicherheitsbedürfnis“, hervorgerufen durch „spektakuläre Angriffe mit Handfeuerwaffen auf öffentliche und private Einrichtungen“, soll von nun an „mit einer starken Aluminiumbeplankung“ befriedigt werden. Die Agentur erlaubt sich, auf einen Warentest im „Beschußamt Ulm“ hinzuweisen, wo die beschußhemmende Beplankung „in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg unter Beschuß genommen wurde“. Ergebnis: „Glas und Profil hielten dem Beschuß stand.“ Zur Freude der Firma W. ist die Konstruktion jetzt in die „Sicherheitsstufe M 3 – SA“ eingestuft worden, „dies entspricht einer beschußhemmenden Verglasung nach C3-SA, gemäß DIN 52 290 Teil 2“. Ist es nicht beruhigend, daß in Deutschland, das von spektakulären Angriffen mit Handfeuerwaffen ja mehr und mehr erschüttert wird, beschußmäßig immer noch alles seine Ordnung hat?