Der Kurszettel ist schon jetzt erstaunlich lang. Er umfaßt mittlerweile über 1400 Positionen. Und das, obwohl es den geregelten Markt erst seit rund fünfzig Tagen gibt. Am 4. Mai dieses Jahres wurden die Kurse erstmals in den bundesdeutschen Börsensälen notiert. Es war die Premiere eines neuen Marktsegmentes, das zwischen amtlichem Handel und geregeltem Freiverkehr einzuordnen ist.

Mit dieser Neuerung sollen Kleinunternehmer und Mittelständler aufs Parkett gelockt werden. Gerade denen wird die Eigenfinanzierung ihres Unternehmens über die Börse jetzt schmackhaft gemacht, denn die Kosten- und Zugangsvorteile sind beim geregelten Markt enorm gegenüber dem amtlichen Handel, der seit eh und je praktisch nur den großen Kapitalgesellschaften zugänglich ist.

So genügt es seit neuestem schon, Aktien zum Nennwert von 500 000 Mark auszugeben, also nur 10 000 Stück à fünfzig Mark. Das ist ein Fünftel dessen, was im amtlichen Handel als Mindestvolumen einer Emission vorgeschrieben ist. Zudem steht der neugeschaffene Markt regelrechten newcomern offen, weil auch Emittenten zugelassen sind, deren Kapitalgesellschaften jünger als drei Jahre sind. Obendrein fallen die Zulassungsgebühren nur halb so hoch aus wie beim amtlichen Handel – einmal ganz abgesehen von den laxeren Publizitätsvorschriften.

Wen wundert’s da, daß der geregelte Markt gut bei den Emittenten ankommt. Nur, von den 1426 Werten – vierzig Aktien und 1386 Festverzinsliche –, die Ende Mai bundesweit im neuen Segment notiert wurden, stammt das Gros der Papiere aus dem geregelten Freiverkehr. Lediglich eine Handvoll echter Neulinge findet sich darunter.

Die BBS Kraftfahrzeugtechnik AG war einer der ersten. Sie ließ 55 000 stimmrechtlose Vorzugsaktien ausgeben und erhöhte so das Grundkapital von sechseinviertel auf neun Millionen Mark. Das Unternehmen stellt Leichtmetallfelgen, Karosserieteile und Fahrwerksumbausätze her, setzte 1986 rund 85 Millionen Mark um – dreizehn Prozent mehr als im Vorjahr – und erwirtschaftete einen Jahresüberschuß von viereinhalb Millionen Mark.

Der zweite Neuling, die Adolf Ahlers AG, zählt auch nicht gerade zu den kleinen Gesellschaften ihrer Branche. Das Unternehmen beschäftigt 3200 Mitarbeiter, die Herren- und Freizeitgarderobe schneidern und im vergangenen Jahr gut 320 Millionen Mark umsetzten. Der mittelständische Bekleidungshersteller ließ 100 000 Stammaktien (im Nominalwert von fünf Millionen Mark) zum Kurs von dreihundert Mark je Stück placieren, wodurch das Grundkapital um dreißig Millionen Mark erhöht wurde. Ein hoher Kapitalbedarf – angesichts des Zwangs zu weiterer Automatisierung der Produktionsabläufe – konnte so mit dem Gang zur Frankfurter und zur Düsseldorfer Börse gedeckt werden.

Hamburgs erste Emission auf dem geregelten Markt waren 300 000 Stammaktien der Info Gesellschaft für Informationssysteme zum Preis von 350 Mark pro Stück. Das Unternehmen betreibt in der Hansestadt wie in Düsseldorf Ausweich-Rechenzentren für industrielle Großkunden, berät und schult zudem im Bereich der Datenverarbeitung und handelt und vermietet Großrechner. In vergangenen Jahr setzte die Gesellschaft 91,8 Millionen Mark um – 48 Prozent mehr als 1985.