Lieber Udo Lindenberg! Mit der Übersendung der Lederjacke haben Sie mir eine Überraschung bereitet, für die ich Ihnen danke. Natürlich ist das Außere Geschmackssache, aber was die Jacke selbst betrifft, sie paßt.

Wenn ich es recht verstehe, ist sie ein Symbol rockiger Musik für ein sinnvolles Leben der Jugend ohne Krieg und Kriegsgefahr, ohne Ausbildungsmisere und Arbeitslosigkeit, ohne Antikommunismus, Neofaschismus und Ausländerfeindlichkeit. Und wenn ich Ihre künstlerischen Absichten nicht mißverstehe, so richten Sie sich in starkem Maße gegen Raketenwälder und SDI und plädieren für ein atomwaffenfreies Jahr 2000, für eine Koalition der Vernunft sowie die Einsicht, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg, sondern nur noch Frieden ausgehen darf. Dieser Auffassung sind wir auch, und die Rockmusiker der DDR teilen in ihrer Aktion „Rock für den Frieden“ sowie bei vielen Auftritten hier und in aller Welt dieses politische und künstlerische Anliegen.

Sie wissen ja aus eigenem Erleben, daß die DDR ein sehr jugend- und deshalb auch sehr rockfreundliches Land ist, und das nicht erst seit heute.

Als guter Kenner dieser Szene ist Ihnen sicher auch nicht unbekannt, daß bei uns 110 professionelle Rockbands und über 2000 Amateurrockgruppen existieren. Sie spielen Woche für Woche vor Millionen Fans. Zu diesen Auftritten kommen zahlreiche Gastspiele ausländischer Gruppen.

Wie sollte man angesichts dieser Tatsache nicht unumwunden sagen: Ja, die Jacke paßt. So erweist sich wieder einmal: Meldungen westlicher Medien über die DDR sind das eine, und die Realitäten in unserem Land das andere.

Die mir zugedachte Lederjacke werde ich dem Zentralrat der FDJ übergeben. Die Freunde finden sicher einen Weg, sie einem Rockfan zukommen zu lassen – vielleicht sogar über eine Solidaritätsaktion zugunsten der antiimperialistischen Solidarität. Ich bin sicher, daß das Ihre Zustimmung findet.

Nochmals herzlichen Dank. Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen Erfolg und gutes Gelingen.