Wer im Ausland nach einem Diebstahl plötzlich ohne Auto dasteht, darf sich auf eine weitere Überraschung gefaßt machen. In vielen EG-Ländern bitten die Finanzämter zur Kasse.

Nach Schätzungen des HUK-Verbandes werden jährlich rund 6000 Autos im Ausland gestohlen. Den meisten der betroffenen Urlauber dürfte ein solcher Diebstahl zu der Erkenntnis verhelfen, daß die Gemeinschaft der europäischen Staaten mitunter doch an den Grenzen endet. Denn wer meint, bei einer Ferienreise sei der Verlust des Wagens schon genug, hat die Rechnung ohne den Fiskus gemacht.

In Frankreich beispielsweise haben bundesdeutsche Touristen genau acht Tage Zeit, um bei der Zollstelle 33 1/3 Prozent Mehrwertsteuer, bezogen auf den Zeitwert des Autos, zu bezahlen. In Italien dagegen differenzieren die Finanzbeamten. Hier ist der Steuersatz von der Größe des Hubraumes abhängig. Bis zu zwei Liter bei Benzinern und 2,5 Liter bei Dieselfahrzeugen „kosten“ 18 Prozent, darüber werden 38 Prozent fällig. Auch in den benachbarten Königreichen klingt der Urlaub nach einem Diebstahl des Wagens mit saftigen Steuerzahlungen aus. Während Großbritannien 15 Prozent Mehrwertsteuer und eine zehnprozentige Verbrauchssteuer berechnet, zahlt der Tourist in Belgien „lediglich“ 19 Prozent Mehrwertsteuer. Luxemburg und Dänemark fordern 19 beziehungsweise 22 Prozent, teurer ist es dagegen in den Niederlanden, hier endet die Erholungsreise mit 20 Prozent Mehrwertsteuer und einer Zusatzsteuer in Höhe von 16 Prozent.

Hintergrund dieses „Schlamassels“, so ein Fachmann aus dem Bonner Wirtschaftsministerium, sind die EG-Richtlinien über „die vorübergehende Zollgutverwendung“. Danach entsteht eine Steuerschuld, wenn Fahrzeuge nach einer bestimmten Zeit nicht wieder ausgeführt werden. Für diese Steuerschuld haften der jeweilige Urlauber und – kaum tröstlich – der Dieb.

Angesichts dieser Lage raten Experten zum Kauf sogenannter Schutzbriefe. Sie sind bei den Automobilclubs erhältlich und bei den großen Versicherungsunternehmen, die sich nun zunehmend bereit zeigen, auch die anfallenden Steuerschulden eines um seinen Wagen gebrachten Touristen zu erstatten.

Schutzbriefkunden des ADAC genießen überdies Vorteile bei Autoreisen in Griechenland. Neuerdings können sie wieder ohne Angst vor dem Ruin am Steuer Platz nehmen, im Diebstahlsfall helfen die Notrufstationen des Automobilclubs mit einer Zollgarantie. Immerhin besteht die Regierung in Athen nach einem Autoklau auf einer Steuer von 100 Prozent.

Hanns-Bruno Kammertöns