Warum importiertes Obst und Gemüse mit verbotenen Pflanzenschutzmitteln belastet sein darf

Die Erdbeeren schmeckten zwar süß, rochen aber ziemlich ungewöhnlich. Die Ursache dafür war bald gefunden: In den Früchten aus Spanien befanden sich Rückstände eines zweifelhaften Pflanzenschutzmittels. Das stellten die Kontrolleure der Lebensmittelüberwachung in Niedersachsen im Juni fest.

Etwa zur gleichen Zeit erhielten deren Kollegen in Hessen einen Hinweis aus Baden-Württemberg. Diesmal waren es italienische Zucchini, die unangenehm auffielen. In beiden Fällen ging es um Chlorthalonil, ein Wirkstoff in einigen Pilzbekämpfungsmitteln, der hierzulande für Obst und Gemüse nicht zugelassen ist.

Dennoch erfuhren die Verbraucher so gut wie nichts davon, nur die Süddeutsche Zeitung berichtete in einer kleinen Meldung über „verseuchte Erdbeeren in Niedersachsen“. Unklar sei, so hieß es weiter, welche Menge davon in den Handel gekommen sei.

Darauf geben allerdings ein paar allgemeine Zahlen einen Hinweis. Die Bauern in der spanischen Provinz Huelva freuten sich in diesem Frühjahr über eine Rekordernte – von dort kommen die meisten der spanischen Erdbeeren. Und mit einer Jahresproduktion von insgesamt 200 000 Tonnen wurde das Land in diesem Jahr zum Hauptlieferanten in Europa. So stammten auch die Früchte auf den Wochenmärkten in Niedersachsen vermutlich aus Huelva.

Keiner Schuld bewußt

Der Präsident des spanischen Erdbeer-Multis Freshuelva, Antonio Medina, ist sich indes keinerlei Schuld bewußt. Er vermutet, daß sich hinter den Argumenten der Verbraucherschützer eine schlichte Kampagne gegen die ausländische Konkurrenz verbergen könnte. Die Anwendung von Chlorthalonil als Pflanzenschutzmittel sei durchaus erlaubt und gebräuchlich. Medina hat recht, aber nur, wenn es um Spanien und einige andere EG-Länder geht.