Der multinationale Medien-Tycoon Rupert Murdoch hat seinem Imperium die Tageszeitung „Today“ einverleibt.

Die Labour Party sprach von „politischer Liebedienerei“ und einem „abgekarteten Spiel“, liberale Abgeordnete gingen in der Unterhausdebatte sogar noch ein Stück weiter: Sie beschuldigten die Regierung der „politischen Korruption“; sie habe es Rupert Murdoch nur allzu gerne erlaubt, die Tageszeitung Today zu erwerben, weil sie ihm für die massive Unterstützung im vergangenen Wahlkampf und in den Jahren zuvor noch zu Dank verpflichtet gewesen sei.

Rupert Murdoch hat in der ihm eigenen hemdsärmelig-rücksichtslosen Art erreicht, was er sich in den Kopf gesetzt hat: Der britische Zweig seines weltweiten Medienkonzerns umfaßt nun fast 35 Prozent der verkauften Auflage aller britischen Tages- und Sonntagszeitungen und hat damit längst einen Umfang erreicht, der im Blick auf Presse- und Meinungsvielfalt auch international als höchst bedenklich betrachtet wird.

Industrie- und Handelsminister Lord Young, ansonsten ein eindringlich beredter Anwalt für mehr Markt und Wettbewerb, hatte es nicht für nötig befunden, den geplanten Kauf von Today durch Murdoch, wie eigentlich notwendig, der Monopol-Kommission zur Prüfung vorzulegen. Die beiden ins Today-Geschäft verwickelten Unternehmer – „Verkäufer“ Tiny Rowland und „Käufer“ Rupert Murdoch – hatten ihm ein ziemlich rüdes Ultimatum gesetzt. Entweder, so ihre Drohung, Zustimmung zum Erwerb durch Murdochs „News International“ binnen 24 Stunden, also ohne die lästige Prozedur einer Überweisung an die Monopolkommission, oder Today mit seinen 500 Arbeitsplätzen werde sofort zugemacht. In ziemlich selten geübter Rücksichtnahme auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen hatte sich Lord Young da einer Ausnahmeklausel bedient, mit deren Hilfe es Murdoch schon 1981 gelungen war, die Times und die Sunday Times ohne jede Auflage durch die Monopol-Kommission zu erwerben.

Murdoch ist nicht ohne Grund bereit gewesen, 38 Millionen Pfund, rund 114 Millionen Mark, für Today zu bezahlen (was ihm angesichts eines jährlichen Gewinns in gut doppelter Höhe allein aus seinen britischen Zeitungen ohnehin nicht schwergefallen ist). Die Auflage des Blattes, das im letzten Wahlkampf als einziges offen die Allianz aus Liberalen und Sozialdemokraten unterstützte, ist letzthin auf 34 000 gestiegen; seine modernen Computer und Druckanlagen im Londoner Süden machen es zu einer vielversprechenden Anlage.

Jürgen Krönig (London)