Die Liebhaber Bachscher Musik müßten sich aufgrund von Tintenanalysen möglicherweise auf einen „gereinigten“ Bach und neue Klänge einstellen, teilt die Max-Planck-Gesellschaft mit (MPG-Spiegel Nr. 3/87, S. 12). Untersuchungen des Musikwissenschaftlers Rainer Kaiser und des Physikers Dieter M. Kolb vom Berliner Fritz-Haber-Institut der MPG hätten zum Beispiel ergeben, daß der Kantate „Wer da glaubet und getauft wird“ (BWV 37) nachträglich Triller und Bögen hinzugefügt wurden. Eine noch unbestimmte Anzahl von Kantaten enthalte ornamentale und artikulatorische Zusätze aus der Feder des Bach-Bearbeiters Carl Friedrich Zelter. Zelter, ein Freund Goethes und Lehrer Mendelssohns, hatte sich Anfang des 19. Jahrhunderts der weitgehend in Vergessenheit geratenen Kompositionen Bachs angenommen, hatte sie für Aufführungen bearbeitet – und offenbar dem Musikempfinden der Romantik angepaßt.

Viele Bach-Kompositionen, etwa die Matthäus-Passion oder die h-Moll-Messe, wurden zu des Meisters Lebzeiten (1685-1750) nie gedruckt und existieren nur als Kopien seiner Schüler. Entsprechend umfangreich sind die unsicheren Werke, die Bach zugeschrieben werden. Der ehemalige stellvertretende Direktor des Bach-Institutes in Göttingen und Bach-Herausgeber Alfred Dürr hatte bereits früher die Vermutung geäußert, daß Zelter Zusätze eingefügt habe. Die reflexionsspektroskopischen Untersuchungen der Tinte mit längerwelligem Infrarotlicht haben dies nun bewiesen,

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Der atmosphärische Eintrag von Schwermetallen in die Nordsee ist beträchtlich und darf bei der ökologischen Bewertung nicht vernachlässigt werden, fanden Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht heraus. Ein entsprechendes mehrjähriges Luft-Meßprogramm auf der nordfriesischen Insel Pellworm und Berechnungen deuten darauf hin, daß der Schwermetall-Eintrag aus der Luft in der gleichen Größenordnung liegt wie die Belastung durch Flüsse, Dumping und direkte Einleitung zusammen. Während letztere sich zum Beispiel bei Blei und Cadmium auf jährlich 4900 beziehungsweise 340 Tonnen beläuft, schätzen die GKSS-Forscher den entsprechenden Eintrag via Luft auf 1800 bis 6400 Jahrestonnen Blei und 70 bis 380 Jahrestonnen Cadmium.

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Saurer Regen in industriefernen Gebieten kann überwiegend von Ameisen stammen. Zoologen der New Yorker Cornell University haben abgeschätzt, daß diese Insekten jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Ameisensäure (HCOOH) in die Atmosphäre abgeben und mit Leichtigkeit jene hohen Mengen produzieren können, die etwa in der Luft über dem Amazonas-Becken festzustellen sind. Die Säure, die bei einem Ameisenbiß den stechenden Schmerz hervorruft, entsteht auch in der Atmosphäre, insbesondere aus Formaldehyd (HCOH), und bestimmt wesentlich den sauren Niederschlag in industriell unbelasteten Regionen.

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Als „professionelle Patienten“ bezeichnen Psychiater von Krankenhaus zu Krankenhaus wandernde Menschen, die zwanghaft sowohl körperliche als auch psychische Krankheitszeichen an sich selbst mutwillig erzeugen und über dramatische Symptome plausibel berichten. Aus der Fachzeitschrift Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie (Bd. 37/87, Seite 197 f.) geht hervor, daß die Betroffenen sich zum Teil durch Einnahme fiebererzeugender Substanzen, Schild-, drüsenhormone, Insulin oder durch Schnittverletzungen selbst schädigen, um eine Patientenrolle übernehmen zu können. Als Ursache dieses Verhaltens werden Deprivation (Fehlen der Mutter), Mißhandlungen in der Kindheit und früher Verlust eines Elternteils angegeben. Neuerdings seien Teilerfolge in der psychiatrischen Behandlung dieser auch als „Münchhausen-Syndrom“ bezeichneten Krankheit zu erzielen, insbesondere wenn es gelinge, die Selbstverantwortung des Patienten vermehrt zu wecken. HST