Von rauhen Sitten und derben Tischmanieren des Mittelalters wird erzählt: Auch heute noch kann man nach alter Art schmausen.

In ein Riesengelage auszuarten verspricht das Raubritterwochenende in Neunkirchen (Siegerland-Wittgenstein). Zur Begrüßung wird ein Horn Met gereicht, und mittags gibt’s Eintopf nach alter Väter Sitte. Abends beginnt das Gelage: Suppe, Schmalz, Schweinskopf mit Sauerkraut, Riesensaubein, Hähnchen und Reibekuchen. Und dann kommt – laut Programm – „nach dem Fraß das Gesöff, das eure Kehlen spület“. Ein Raubritter sorgt höchstpersönlich für die richtige Stimmung. Wer nach derlei Völlerei am nächsten Tag noch eine Wanderung durch die Wälder schafft, den erwartet der Raubritter in einem einsamen Tal mit urigem Essen. Anmelden kann man sich in der Schänke „Alt Neunkirchen“, Kirchstraße 16, 5908 Neunkirchen. (Preis: 99 Mark einschließlich einer Übernachtung.)

Gleich am ersten Abend muß man sich für das „große Gelage an der Rittertafel“ rüsten, das in der „Kauzenburg“ (Auf dem Kauzenberg, 6550 Bad Kreuznach) ausgerichtet wird. Unter Trommelwirbel und Fanfarenstößen zelebriert der Burgherr mit seinen Gästen das siebengängige Menü. Die Freunde derber Genüsse sollten beim Essen mit dem Dolch hantieren können und sich ansonsten nicht scheuen, die Finger zu benutzen. Ein Minnesänger sorgt für „Scherz und Kurzweil“. Wer kräftig mitzechen will, zahlt fürs Wochenende 295 Mark (inklusive zwei Übernachtungen mit Frühstück und Abendessen).

In Neckarzimmern sind gute Esser „bei Götz zu Gast“ (die Offerte gilt allerdings nur für Gruppen von 30 Personen an). Empfangen werden sie von Götz von Berlichingen samt Gefolge im Burghof seiner Stammburg Hornberg bei Fackelschein und Böllerschüssen, und natürlich wird dann auch schon ein kräftiger Zug aus dem Humpen genommen. Im „Götzengrill“ kommt anschließend Spießbraten auf den Tisch, geröstet am offenen Holzkohlefeuer. Für Kurzweil ist gesorgt: Bänkelsänger und Possenreißer treiben ihr Unwesen während des mittelalterlichen Mahls. Die Übernachtung mit Frühstück und Rittermahl kostet auf Heller und Pfennig 135 Mark (Anmeldung: Rathaus, 6951 Neckarzimmern).

Recht zivil geht es dagegen in Strcmberg zu, wo Urlauber „auf den Spuren des Burggrafen“ wandelt können. Zur Begrüßung wird ihnen erst einmal der „Burggrafen-Orcen“ verliehen. Nach einer Grillparty rüstet man sich zur Planwagenfahrt durch die „Stromberger Schweiz“, und abends tanzen die neuen Burgherren mit ihren Damen bei Kerzenschein. Das Wochenende kostet alles in allem 144 Mark (es müssen mindestens 25 Leute mitmachen). Auskunft: Amt für Wirtschaft und Verkehr, Stadtverwaltung, 4740 Oelde.

Wenn im Juli und August in Kiefersfelden wieder die Rittersleut’ kämpfen, können Urlauber bei der Gelegenheit auch gleich deren einfache Kost probieren. Der Kampf der gerüsteten Recken spielt sich allerdings nur auf Deutschlands ältester Volksbühne ab, nämlich beim Ritterspiel „Almansor und Elvira oder: Vom Sklaven zum Thron“. Im Pauschalpreis von 127 Mark sind ein Begrüßungsgeschenk, die Eintrittskarte, ein Buch über die Ritterspiele, ein achtgängiges Rittersmahl und das Quartier für eine Nacht enthalten. Auskunft: Kur- und Verkehrsamt, Postfach 60, 8205 Kiefersfelden. H.L.