Die rechte Urlaubsfreude konnte Umweltminister Klaus Töpfer in der vorigen Woche nicht verbreiten, als er für das Ferienziel Nordsee das knappe Urteil fällte: „Ernsthaft gefährdet, jedoch noch nicht tot.“ Öl und Abfall, als unerwünschtes Strandgut nur zu ärgerlich bekannt, sind fast noch harmlos im Vergleich zu dem, was Industrie, Landwirtschaft und Wohlstand in den Schmutzteich des reichen Europa schwemmen. Noch nicht tot – aber es fehlt nicht mehr viel.

Im November wollen sich die Nordsee-Anlieger auf einer Konferenz in London über Hilfsmaßnahmen verständigen, um das gemeinsame Meer zu entlasten. Es braucht keine Prophetie, harte Auseinandersetzungen und viel Heuchelei vorherzusagen. Denn alle Regierungen wissen, was es kosten würde, künftig den eigenen Dreck nicht einfach über die Flüsse abzuleiten oder auf hoher See gefährlichen Abfall zu verbrennen, nach dem Motto: „Auf die See, aus dem Sinn“ zu verfahren.

Nationaler Umweltschutz ist schon schwer durchzusetzen; wieviel schwerer erst auf internationaler Ebene. Aber gerade deswegen steht in London nicht nur die Nordsee, sondern auch viel Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, damit es hinterher vom Bewußtsein, für das gemeinsame Erbe der Menschheit verantwortlich zu sein, nicht auch heißt: „Ernsthaft gefährdet, aber noch nicht tot.“

H. B.