"Hollywood Monster" von Roland Emmerich

Handlung und Dramaturgie, Figuren und Schauplätze, Gefühle und Effekte – alles aus zweiter, dritter Hand. Die Vorbilder sind offensichtlich. Es sind die großen, simplen Kindermärchen, die Lucas und Spielberg, Carpenter und Hooper momentan der ganzen Welt erzählen (vom kleinen, mythischen Kino gibt es nur Requisiten und Plakate an der Wand). Nun lebt das Genrekino zwar von der Variation, vom Rekurs aufs Vorhandene. Aber es bedarf darüber hinaus eines besonderen, eigenständigen Blicks. Sonst gerät es in Gefahr, bloßer Aufguß zu bleiben.

Zwei junge Kinofreaks, fasziniert von grellem Horror und makabren Gags, geraten eines Tages ins Reich ihrer eigenen Phantasie. Plötzlich passiert, was sie sonst nur zu träumen und zu spinnen wagten: Bedrohliche Gewitter gehen nieder über der Stadt – immer gegen 12 Uhr nachts. Tote werden lebendig. Monster greifen ein. Und sogar eine antike Folterkammer erhält schließlich wieder ihren Sinn und Zweck. Man sieht und bestaunt Emmerichs handwerkliche Phantasie, seine Sorgfalt beim Erzählen. Doch gleichzeitig sieht und bestaunt man, wie wenig er letztlich damit anzufangen weiß. Norbert Grob

"Tin men" von Barry Levinson

Kabale und Kapitalismus-Streß und am Rande auch Liebe: Zunächst krachen im Baltimore des Jahres 1963 zwei Cadillacs zusammen. Dann eröffnen die Fahrer, zwei der vom Provisionen-Druck entnervten Vertreter für Aluminium-Hausfassaden, einen Kleinkrieg, der mit dem gegenseitigen Zerhauen der ohnehin ramponierten Wagen beginnt und damit endet, daß der eine dem andern die Frau ausspannt. Auf diesem Stand allerdings erschlafft die Schlacht, denn ein mächtigerer Gegner erscheint: Aufgrund allseits üblicher betrügerischer Verkaufspraktiken werden den beiden Streithähnen die Berufslizenzen entzogen, und es erübrigt sich, zu sagen, daß ihre Arbeitgeber ungeschoren davonkommen. Der Gegner also ist das System, in dem aus Dreck Geld gemacht wird und, viel öfters noch, umgekehrt. Es hat ihnen ihre archetypischen, schweißtreibenden Jobs genommen, nachdem es vorher ihre Nerven zerstört und sie in den irren Kompensationskampf gegeneinander getrieben hatte. Genau darum geht es in diesem Film, der eine Freude ist, komisch und weise, beseelt vom Script eines aufmerksamen Regisseurs und der Menschenkenntnis der Schauspieler Richard Dreyfuss und Danny DeVito. Daß zum Schluß die zwei Adrenalin-Weltmeister Frieden schließen und sich gegen das System verbünden, ist keine ideologische Wendung: Sie werden die größte VW-Käfer-Vertretung für die U.S.A. auf die Beine stellen und sich dann, mit dem vielen Geld, neue Nerven kaufen. Den Kapitalismus überwinden Leute wie sie immanent, nicht wissenschaftlich. Maxim Biller

Sehenswerte Filme

"Die Verachtung" von Jean-Luc Godard. "Abschied von Matjora" und "Komm und siehe" von Elem Klimov. "Zischke" von Martin Theo Krieger. "Uhrwerk Orange" von Stanley Kubrick. "Das grüne Leuchten" von Oliver Stone. "Das Gesetz der Begierde" von Pedro Almodóvar.