Das zweite Börsenhalbjahr 1987 begann mit einem Fehlstart. Ausgelöst wurde er durch Siemens, wo sich für das laufende Geschäftsjahr 1986/87 (30. 6.) ein Ergebnis abzeichnet, das unter dem des Vorjahres bleiben wird. Dies gilt auch für den Ertrag je Aktie, der zusätzlich durch die veränderte Ermittlung nach einer neuen DVFA-Formel gedrückt werden wird. Als die ersten Informationen über diese Entwicklung an die Öffentlichkeit drangen, kam es bei Siemens-Aktien zu einem Kurssturz von 740 auf zeitweise (außerbörslich) 661. Inzwischen zeichnen sich zwar Erholungstendenzen ab, der Vertrauensverlust der In- und Ausländer in das „Flaggschiff der deutschen Börse“, wie Siemens bezeichnet wird, ist geblieben. Die Vorgänge bei Siemens haben zeitweise den gesamten Aktienmarkt belastet. Da aber gleichzeitig andere große Unternehmen für 1987 gute Ergebnisse ankündigten (Daimler, BMW und Volkswagen), hielt sich die negative Reaktion in Grenzen, Käufer waren in den letzten Tagen in bemerkenswertem Umfang inländische institutionelle Gruppen, die in Aktien eine aussichtsreichere Anlage sehen als in festverzinslichen Papieren. Der gegenwärtige Zinsanstieg wird überwiegend nicht nur als „Delle“ angesehen, sondern als Beginn der Trendwende am Rentenmarkt. Sie wurde eingeläutet durch den Anlagestopp der Ausländer, denen durch den stabilen Dollar die Erwartung auf Währungsgewinne bei Mark-Engagements abhanden gekommen ist. Sorge bereitet ferner die sich abzeichnende Zunahme der öffentlichen Neuverschuldung, die künftig Zinsrückgänge kaum noch zulassen wird. K.W.