Zu den vielen Opfern des SS-Schergen Klaus Barbie zählte auch der Kürschner Simon Badinter aus Bessarabien, der in Auschwitz umkam. Sein Sohn Robert Badinter gelangte als Strafverteidiger zu großer Berühmtheit, war von 1981 und 1986 Justizminister und sitzt heute dem französischen Verfassungsrat vor. Das allererste, was der sozialistische Justizminister Badinter durchsetzte, war die Abschaffung der Todesstrafe. Dem von Robert Badinter eingereichten Gesetz vom 9. Oktober 1981 verdankt Klaus Barbie, daß er am vergangenen Samstag nicht zum Tod, sondern zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Die große Mehrzahl der Franzosen befürwortet die Wiedereinführung der Todesstrafe. Doch ausgerechnet im Falle des siebzehnfach wegen Verbrechens gegen die Menschheit verurteilten Barbie regten sich kaum Stimmen des Bedauerns, daß der „Schlächter von Lyon“ nicht unter der Guillotine sterben müsse. „Die Würde und Ehre des Verletzten erfordern es, daß Straftaten nicht frei ausgehen“, schrieb Hannah Arendt in ihrem Bericht über den Eichmann-Prozeß. Jetzt spüren die Franzosen, daß es Frankreichs Würde und Ehre beleidigt hätte, gegen den 73jährigen Barbie die Todesstrafe auszusprechen oder gar zu vollstrecken. Viele Befürworter der Guillotine haben diesmal geschwiegen und sich damit Robert Badinter erkenntlich gezeigt. Ro.W.