Der afrikanische Leopard sei keine gefährdete Art und sei es nie gewesen, meinen zwei Biologen nach einer Bestandsaufnahme im Auftrage der CITES, einer vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen getragenen Organisation, die sich mit dem internationalen Handel gefährdeter Tierarten befaßt (CITES = Convention on International Trade in Endangered Species). Die Biologen Rowan Martin und Tom de Meulenaer schätzen, daß mehr als 700 000, möglicherweise sogar 850 000 Leoparden in 41 Ländern leben. Die laut CITES „umfassendste je gemachte Bestandsaufnahme der Populationen des afrikanischen Leopards“ gelange zu „ikonoklastischen Schlußfolgerungen“ und werde zu hitzigen Debatten anläßlich der CITES-Konferenz vom 12. bis 24. Juli in Ottawa führen. Zu dem Treffen werden Vertreter von Tier- und Umweltschutzorganisationen erwartet, die jegliche kommerzielle Nutzung gefleckter Katzen ablehnen.

Da die Leoparden nicht gefährdet seien, gehörten sie auch nicht in den Anhang I der CITES-Liste der vom Handel ausgeschlossenen Tiere, fordern Martin und de Meulenaer: „Es ist unehrlich, Krisengeschrei anzustimmen, wenn keine Gefahr gegeben ist“, sagen sie und fragen: „Wie würden Sie mit einer Art umgehen, die niemand in seinem Garten haben möchte?“ Die Leoparden kämen hauptsächlich außerhalb der Nationalparks vor und würden „in der nördlichen Hemisphäre nicht geduldet werden“, wie Diskussionen zum Beispiel über Wölfe in Europa zeigten. Die beiden Biologen rechnen vor, daß den afrikanischen Ländern durch Verzicht auf die Leopardenjagd etwa 29 Millionen Dollar jährlich entgingen. Westliche Länder, die einen Leopardenschutz verlangten, sollten diesen Einkommensausfall ersetzen.

Martin und de Meulenaer schlagen vor, daß der Staat die Felle zum festen Preis von 250 Dollar pro Stück aufkauft. Das beste System habe Botswana, wo die Landbewohner zum Schutz ihrer Herden Leoparden schießen und das Fell verkaufen dürfen. „Dies hat nicht mit dem vorausgesagten Massenschlachten der Leoparden geendet. In Kenia, wo das Töten von Leoparden verboten ist, blüht der Schwarzhandel mit Fellen.“ HST