Halte Deiner Waffe immer die Treue!“ Dieser Ratschlag findet sich im neuen Bundeswehrhandbuch für Ausbildungsleiter unter dem Titel „Kriegsnah ausbilden“ als zwölftes Gebot im Kapitel „Feuerbereitschaft“.

Auf Anfrage von Petra Kelly und der Fraktion der Grünen hat der Parlamentarische Staatssekretär beim Verteidigungsminister, Peter-Kurt Würzbach bestätigt, daß dieses Gebot identisch ist mit dem letzten der zwölf Gebote für den MG-Schützen aus dem Wehrmachtsblatt vom 1. April 1944.

Die Empfehlung solle nichts anderes bedeuten, so Würzbach, „als daß der Soldat besonders pfleglich mit ihm anvertrauter Waffe und Gerät umgeht“. Dies diene „letztlich seiner eigenen Sicherheit“. Einverstanden, aber würde es denn zur Unsicherheit des Soldaten beitragen, wenn die Ratschläge nicht aus alten Wehrmachtsblättern entlehnt würden?

Ob es zutreffe, wollte Petra Kelly weiter wissen, daß in dem Handbuch unter anderem als Quelle auch „Der Panzerknacker – Anleitung für den Panzernahkämpfer“ herangezogen werde. Dieses Werk stammt gleichfalls aus dem Jahr 1944. Würzbach hat die Sache bestätigt. Weshalb sich die Frage auch tatsächlich aufdrängte: „Ist die Bundesregierung der Meinung, daß die Nazi-Wehrmacht und ihre Angriffskriege zum Vorbild für junge Bundeswehrsoldaten genommen werden soll?“ Die knappe Antwort: „Die Bundesregierung ist nicht dieser Meinung. Sie vertritt jedoch die Auffassung, daß soldatische Erfahrungen der Vergangenheit für die Ausbildung der Streitkräfte von Bedeutung sein können.“

Man lernt eben, wo man kann.

Ein Notruf von Rupert Neudeck, der beharrlich wie kaum einer sonst mit dem Komitee Cap Anamur/Notärzte e. V. in der Dritten Welt Elend zu lindern versucht: Dritte-Welt-Fragen, mahnte er jetzt, nähmen in der Bonner Politik nur noch einen minderen Rang ein. Hinterbänkler begännen, diese Thematik zu erobern. Was ein Abgeordneter tun müsse, um „öffentlichkeitswirksam herauszukommen“, sei, Freund Somalias, des Sudan oder Zaires zu werden (die Auswahl ist beliebig) oder „sich auf Kosten der südafrikanischen Regierung nach Südafrika einladen zu lassen, um als Menschenrechtsexperte demnächst in Afghanistan aufzutauchen“.

Mit der letzten Bemerkung zielt Neudeck auf den CDU-Abgeordneten Klaus-Jürgen Hedrich, der die Menschenrechtsfahne für Afghanistan geschwungen hatte. Wie sein Kollege Horst Eylmann hatte er sich im vergangenen Jahr tatsächlich von Pretoria einladen lassen. Auf die Frage eines Rundfunkreporters, warum er sich von den Südafrikanern aushalten lasse, erwiderte Hedrich seinerzeit: „Die bezahlen das, was bei einer solchen Reise anfällt. Aber das ist ja nicht das Problem ...“ Der Reporter: „Entschuldigen Sie, Herr Hedrich, das ist das Problem, ganz genau das.“ Hedrich: „Für Sie, nicht für mich .... Einladungen werden ja nicht nur von den Südafrikanern, sondern von Regierungen weltweit ausgesprochen.“

Für seine Sorgen, die Dritte-Welt-Politik betreffend, nennt Neudeck aber auch andere Stichworte: Einmal die Haltung des neuen Entwicklungshilfeministers Hans Klein (CSU), der jetzt für Bonner Entwicklungshilfe an Namibia plädiere, statt die Forderung der Uno nach Unabhängigkeit auch gegen Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt zu unterstützen. Dann die Tatsache, daß die Bundesrepublik an der Entwicklungshilfe inzwischen mehr verdiene als sie gebe. Das sind die Folgen der „Lieferbindung“ und der „Beschäftigungswirksamkeit“, an welche die Hilfe geknüpft wird. Und schließlich, so Neudeck, daß der Unterausschuß für humanitäre Fragen schlafe und vor sich hin geistere. Früher sei er ein wirksames Instrument der humanitären Abgeordnetenlobby gewesen. Auch die Medien interessierten sich weniger für diese Not. Eine geharnischte Anklage, die in Bonn praktisch untergeht. Gunter Hofmann