„I man, schaun’S, was ma uns dann nachher vorg’worfen hat, des war alles ganz anders...

I hab nur an Juden g’führt. I war ein Opfer.“

Carl Merz/Helmut Qualtinger: Der Herr Karl

Akaba, im Juli

Es war spät geworden. Ein leichter Wind wehte aus Richtung Israel über das Rote Meer und kühlte die erhitzten Gemüter. Die Österreicher saßen auf einer weitläufigen Restaurantterrasse, die in den Golf von Akaba ragt. Heftige Diskussionen flammten an dem langen Tisch auf, Enttäuschung, Ärger und Verständnislosigkeit bestimmten das Gespräch.

Noch sei Österreich nicht verloren, meinte eine Gruppe. Ein mutiger Entschluß könnte dem kleinen Land wieder Achtung und Respekt in aller Welt verschaffen – doch wie die Uneinsichtigen zu dieser Erkenntnis bringen? Die österreichische Pressedelegation war ratlos: Mit Waldheim leben – aber wie? Gab es denn gar keinen Ausweg?

Etwa zwei Dutzend Journalisten begleiteten vergangene Woche den umstrittenen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim auf seinem ersten Staatsbesuch, der diese Bezeichnung auch verdient, in das haschemitische Königreich Jordanien. Es war eine handverlesene Schar: Berichterstatter, die zumeist schon in vielen Artikeln bewiesen hatten, daß sie treu zu ihrem Staatsoberhaupt stehen. Drei Tage lang hatten sie beobachtet, wie sich Waldheim von seinem arabischen Gastgeber feiern ließ. Hier, in Jordanien, forderte niemand offen und unverhohlen seinen Rücktritt, niemand begehrte detailhungrig Auskunft über seine Vergangenheit. Überall nur freundliche Worte und ausgesuchte Höflichkeit; hier wurde der Präsident in den höchsten Tönen gepriesen.