Die Beschlüsse der EG-Landwirtschaftsminister von voriger Woche für die Agrarpreise 1987/1988 bekräftigen zwei Tendenzen in der europäischen Agrarpolitik: die zunehmende Orientierung der Produktion am Weltmarkt und die Renationalisierung von Teilbereichen der Agrarpolitik.

Dem Anliegen, sich neben den USA als eine der wichtigsten Agrar-Exportmächte der Welt zu etablieren, entspricht die erneute Preissenkung bei einigen Produkten, vor allem bei Getreide. Zwar bleiben die administrierten Preise auf dem Papier unverändert, doch wird der Ankauf der Produkte durch die Interventionsstellen erheblich eingeschränkt. Künftig kann Getreide in staatlichen Lägern nur noch in der Zeit zwischen Oktober und Mai angeboten werden. Gleichzeitig wird nicht mehr der volle Interventionspreis gezahlt, sondern nur noch 94 Prozent. Dadurch können die Marktpreise tendenziell sinken.

Theoretisch kann sich dies auch auf die Subventionen auswirken, die die EG an Agrarexporteure bezahlt, um die europäischen Preise auf das niedrigere Weltmarktniveau herabzuschleusen. Doch ist nicht sicher, ob der Steuerzahler dabei billiger davonkommt, denn die Notierungen auf den Weltmärkten, die Konkurrenz mit den USA und der Bedarf wichtiger Importländer wie der Sowjetunion beeinflussen das EG-Agrarbudget wesentlich stärker als eine geringfügige interne Preissenkung.

Abgesehen davon ist die Marktreaktion in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Während die Getreidepreissenkung 1986 im EG-Durchschnitt den betreffenden Erzeugerpreisindex um rund fünf Prozent sinken ließ, stieg er in der Bundesrepublik das ganze Jahr über und gab erst am Jahresende nach. Hier jedenfalls sind die Klagen der deutschen Bauern überzogen.

Auf andere Weise gesenkt werden die Preise für Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumen und Soja sowie die für eiweißhaltige Pflanzen wie Erbsen und Ackerbohnen. Auch hier steht die bessere Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion im Vordergrund. Gescheitert ist dagegen der Versuch, eine Steuer auf alle pflanzlichen Fette einzuführen, über die der Verbraucher einen weiteren Beitrag zur Finanzierung der betreffenden Marktordnungen leisten sollte.

Bezüglich der tierischen Produkte wurden in diesem Jahr keine spektakulären Schritte unternommen. Wie in den meisten anderen Produktbereichen bleiben die Preise unverändert. Bei der Milchproduktion muß die im Dezember 1986 beschlossene Verringerung der Erzeugerquoten um zehn Prozent auf rund 90 Millionen Tonnen in den meisten Ländern erst noch umgesetzt werden. Den Strukturwandel auf dem Lande beleben dürfte eine Regelung, nach der vom Staat „herausgekaufte“ Quoten an andere Landwirte neu vergeben werden können. Andererseits beeinträchtigt dies das Ziel, die Milchüberschüsse abzubauen.

Die fortschreitende Renationalisierung kommt beim Währungsausgleich zum Ausdruck, einem System von Abgaben und Zuschüssen, das die Differenz zwischen offiziellen und landwirtschaftlichen Währungskursen ausgleichen soll. Die Absicht der EG-Kommission, den Währungsausgleich in einigen Jahren ganz abzuschaffen und die Landwirtschaft wie jeden anderen Wirtschaftssektor zu behandeln, scheiterte.