Wann immer es um Höheres geht, pflegen die Kommentatoren des großen Spiels ihre Worte ins Schicksalhafte zu steigern. Was also wäre, glauben wir den Kritikern der internationalen Blätter, jüngst in Wimbledon beinahe passiert? Eine Epoche wäre beinahe zu Ende gegangen, eine „Revolution“ hätte beinahe stattgefunden.

Beinahe, denn es kam anders. Bravourös retournierte die große Martina, regierende Athletin des weißen Sports im hohen Alter von dreißig Jahren, noch einmal den Ansturm der Jugend – 7:5, 6:3, und ihr Thron, so mag es unsere kleine Steffi auf der Gegenseite anschließend dem Papa geklagt haben, hat überhaupt nicht gewackelt.

Die Epoche der Navratilova dauert an, die Revolution wurde vertagt. Und wir Tennisfans daheim, die wir mit wachsender Begeisterung und immer zahlreicher die Vor- und Rückhandseiten dieses schönen Sports entdecken, seit des Landes Kinder so telegen zuschlagen, müssen unseren klammheimlichen Anspruch auf immerfort neue Wimbledonsiege ein wenig zurückschrauben. Da trifft es sich gut, daß wir mit Boris nicht nur das Siegen, sondern ein bißchen auch schon das Verlieren gelernt haben.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Nächstes Jahr – gell, Steffi? – machen wir wieder Revolution. A. B.