Es war zwar nur ein altes Radio, das die zehn Kongreßabgeordneten auf dem Rasen des Capitols in Washington mit Vorschlaghämmern zertrümmerten, aber der Schaden für den Hersteller des Apparates, den japanischen Elektrokonzern Toshiba, wird gewaltig sein. Denn die TV-gerecht inszenierte Aktion hat mit dazu beigetragen, die Marke Toshiba in den USA mit dem Odium des Verrats zu behaften. Ein massiver Boykott von Toshiba-Produkten durch die großen Handelsketten, die industriellen Abnehmer und durch patriotisch gesinnte Konsumenten könnte das japanische Unternehmen zum Wanken bringen – selbst wenn ihm und der staatlichen norwegischen Firma Kongsberg Vaapenfabrik (KV) der Zugang zum amerikanischen Markt nicht per Gesetz versperrt werden sollte, wie es die Mehrheit des Senats will.

Den in Amerika ausgebrochenen Sturm der Entrüstung haben sich die beiden Gesellschaften zugezogen, weil sie die Sowjetunion mit computergesteuerten Walzmaschinen beliefert haben, die die Fertigung hochpräziser und deswegen geräuscharmer U-Boot-Propeller erlauben. Nach Darstellung der Washingtoner Regierung ist es den Sowjets mit Hilfe dieser Maschine bereits gelungen, einen Teil ihrer U-Boote so leise zu machen, daß deren Bewegungen unter Wasser von den Sonarsystemen der amerikanischen Marine nicht mehr aus weiter Entfernung registriert werden können. Dadurch habe sich das Kräfteverhältnis zwischen den Kriegsflotten der beiden Supermächte zugunsten der Sowjetunion verschoben. Toshiba und Kongsberg seien deshalb für „einen der schlimmsten High-Tech-Verluste an Moskau“ verantwortlich, heißt es in Washington.

Für ein Linsengericht

Der amerikanische Kongreß ist überzeugt, daß Norweger wie auch Japaner sehr wohl wußten, mit ihren Lieferungen an die Sowjets gegen die Leitlinien des Cocom-Abkommens zu verstoßen, welches die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten abgeschlossen haben, um den Transfer von Rüstungstechnologie in den Ostblock zu verhindern. „Für ein Linsengericht im Werte von 23 Millionen Dollar“, das ist der von Moskau gezahlte Preis, „hat man die Sicherheit des Westens verschachert“, kommentierte die rechtsgerichtete Washington Times. Der Zorn darüber hat im Kongreß Rachegelüste geweckt. Demokraten und Republikaner sind sich darin einig, daß die beiden ausländischen Gesellschaften für den von ihnen angerichtete^ Schaden büßen sollen.

Mit einer erdrückenden Mehrheit von 92 zu 5 beschloß der Senat einen Zusatz zu der vor Verabschiedung stehenden Handelsgesetzgebung, in dem ein zwei- bis fünfjähriges Einfuhrverbot für alle Produkte von Toshiba und Kongsberg Vaapenfabrik ausgesprochen wird. Die Sanktion richtet sich gegen „Mutter- und Tochtergesellschaft und etwaige Nachfolgegesellschaften“.

Gleichzeitig soll die amerikanische Bundesregierung dazu verpflichtet werden, die beiden Gesellschaften auf Ersatz für den entstandenen militärischen Schaden zu verklagen. Über die Höhe wird zwar nichts gesagt, aber mehrere Senatoren reden davon, daß es dreißig Milliarden Dollar kosten werde, den entstandenen Schaden durch den Bau zusätzlicher U-Boote und U-Boot-Jagdflieger sowie die Entwicklung verbesserter Sonartechnologien zu beheben.

Gesetzeskraft bekommt die vom Senat befürwortete Züchtigung von Toshiba und Kongsberg aber erst, wenn das Repräsentantenhaus die Handelsgesetzgebung in gleicher Weise erweitert und wenn das gesamte Werk verabschiedet wird, ohne daß Präsident Ronald Reagan sein Veto dagegen einlegt. Das Abstimmungsergebnis im Senat läßt aber erwarten, daß sich in beiden Kammern des Kongresses eine Zwei-Drittel-Mehrheit finden wird, die auch der Präsident mit seinem Veto nicht mehr aufhalten könnte. Er müßte das Gesetz dann in Kraft setzen.