An feuchtwarmen Sommertagen sprießen die Pilze aus dem Waldboden. Der eigentliche Pilzkörper bleibt unsichtbar; er besteht aus einem unterirdischen Geflecht dünner Fäden. Diese Pilzfäden umspinnen die Baumwurzeln und versorgen sie mit Wasser, Mineralstoffen und Spurenelementen. Als Gegenleistung erhalten sie einen Teil des Zuckers, den der Baum bei der Photosynthese in seinen Blättern erzeugt. Diese enge Gemeinschaft von Pilz und Wurzel wird als Mykorrhiza bezeichnet.

Nicht nur Bäume bilden Mykorrhiza, auch zahlreiche andere Pflanzen haben solchen nützlichen „Fußpilz“. Wie Peter Moore vom Kings College in London in der Zeitschrift Nature (Bd. 327, S. 100) darlegt, sind Blütenpflanzen, die auf eine Zusammenarbeit mit Pilzen verzichten, in unserer einheimischen Flora sogar eine Ausnahme. Ihre Zahl ist in Deutschland wahrscheinlich ebenso gering wie in Großbritannien. Dort prüften Botaniker gut die Hälfte aller Farne und Blütenpflanzen und fanden bei rund achtzig Prozent davon Mykorrhiza.

Von den Orchideen war schon lange bekannt, wie abhängig sie von ihrem Pilzpartner sind; sie können ohne ihn nicht einmal keimen. Aber auch fast alle Rosengewächse, Korbblüter, Hahnenfußgewächse und Süßgräser bilden Mykorrhiza aus –, um nur einige besonders artenreiche Pflanzenfamilien zu nennen. Daß die weite Verbreitung dieser Symbiose lange verborgen blieb, liegt an der Unscheinbarkeit der beteiligten Pilze, die erst unter einem Mikroskop sichtbar werden.

Die Mykorrhiza-Pilze sorgen dafür, daß ihre Wirtspflanzen auch in ungünstigen Lebensräumen und auf kargen Böden noch wachsen und gedeihen. Sie sind allerdings darauf angewiesen, daß die grünen Blätter Zucker im Überfluß erzeugen. Wenn die Blätter – wie in unseren Wäldern – durch die hohe Schadstoffbelastung verkümmern, fehlt den Pilzen die Nahrung. Knapp gehalten, können sie weniger Wasser und Mineralstoffe an die Wurzeln abgeben; so verschlimmert sich die Lage der geschädigten Bäume noch mehr.

Diemut Klärner