ZEIT: Herr Sühler, Sie haben den Rücktritt Ihres Kollegen und Parteifreundes Ignaz Kiechle vom Amt des Bundesernährungsministers gefordert. Warum?

Sühler: Ich fordere Minister Kiechle auf, seinen Hut zu nehmen, weil er die Entscheidungen, die er verantworten muß, vor den Bauern nicht mehr verantworten kann. Das ist das eine. Und das zweite ist sein Stil, der unerträglich geworden ist. Wenn Kiechle nach den Preisverhandlungen in Brüssel gesagt hätte: Leute, es war nicht mehr drin, und die deutsche Landwirtschaft wird wieder Opfer bringen müssen, dann hätte ich das akzeptiert, dann stünde auch die Landwirtschaft in den Augen der Öffentlichkeit ganz anders da. Die Öffentlichkeit orientiert sich doch an den Aussagen des Mannes Nummer eins in der Landwirtschaftspolitik. Und wenn dieser Mann dann im Fernsehen alles ’runterspielt und gesundbeten will, dann ist das etwas, was ich einfach nicht mehr ertrage. Ich will die Wahrheit hören.

ZEIT: Glauben Sie denn, daß ein anderer Landwirtschaftsminister mehr für die Landwirte in der Bundesrepublik hätte herausholen können?

Sühler: Mit Sicherheit nicht.

ZEIT: Was fordern Sie aber dann von der Bundesregierung?

Sühler: Meine Forderung an die Bundesregierung ist im Grunde ganz simpel. Der Gewinner des gemeinsamen Marktes in der EG war bisher die deutsche Industrie, der Verlierer war die deutsche Landwirtschaft. Warum ist die Bundesrepublik als eines der reichsten Länder dieser Erde nicht in der Lage, den deutschen Bauern ein bißchen mehr Zukunft und Optimismus zu geben?

ZEIT: Woher sollen denn die Zukunft und der Optimismus kommen angesichts der immer schneller wachsenden Agrarüberschüsse?