Zum erstenmal seit zehn Jahren ist das Unternehmen in die Verlustzone geraten

Von Karl-Heinz Büschemann

Wie kann das sein? Da gibt es in München ein Unternehmen, das als das wichtigste deutsche Technologiezentrum gilt, das geradezu als Glanzstück einer Denkfabrik bezeichnet wird, in dem Flugzeuge modernster Technik gebaut werden, wo hochkomplizierte Satelliten und Raumstationen entstehen, Datenverarbeitungssysteme und Meßtechnik aller Art. Und obwohl in diesem einmaligen deutschen think tank (Manager Magazin) von den rund 37 000 Beschäftigten etwa 6000 hochqualifizierte Ingenieure und Wissenschaftler sind, dieses Unternehmen – es heißt Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) – scheint alles andere als attraktiv zu sein.

Schon seit einigen Monaten gefallen sich Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) und der Bonner Wirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) darin, für den größten deutschen Rüstungskonzern einen Unternehmer aufzutreiben, der sich in diese Hochtechnologiefirma mit ihren rund sechs Milliarden Mark Umsatz mehrheitlich einkauft, um in dem Luft- und Raumfahrtunternehmen die industrielle Führung zu übernehmen.

Bei vielen bedeutenden Industrieadressen haben die beiden schon angefragt. Doch es hagelte nur Absagen. „Wir nicht“, wimmelte etwa Marcus Bierich, der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Robert Bosch GmbH, das Ansinnen Bangemanns ab, obwohl Bosch bereits über einen 4,4-Prozent-Anteil von MBB verfügt.

Kühl abgeblitzt

Auch bayerische Unternehmen zeigen keine Neigung, führender MBB-Gesellschafter zu werden. Die Siemens AG, mit 9,3 Prozent an der Münchner Technikschmiede beteiligt, ließ Strauß freundlich aber kühl abblitzen. Und Eberhard von Kuenheim, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW), gab dem Ministerpräsidenten einen Korb – obwohl das BMW-Vorbild Daimler vor zwei Jahren den MBB-Konkurrenten Dornier GmbH übernommen hat. Kuenheim: „MBB ist unternehmerisch nicht zu führen.“