Taube können wieder hören nach der Implantation eines „künstlichen Ohrs“, das Neurowissenschaftler an der University of California in San Francisco (UCSF) derzeit testen. Nach Angaben der UCSF wurde ein Vierkanal-Gerät, das vier verschiedene Frequenzen übertragen kann, bei 18 Patienten implantiert. Die Mehrheit konnte damit lernen, Sprache zu erkennen, einige können sogar Telephongespräche führen. Alle Behandelten waren vor dem Eingriff völlig taub, hatten jedoch früher einmal hören können. Ob taub Geborenen so geholfen werden könne, sei noch unklar, meint A. James Hudspeth, Professor für Physiologie und Otolaryngologie an der UCSF. Nach seiner Auffassung werden solche Implantate „in fünf bis zehn Jahren für Taube ebenso Routine sein wie heute Schrittmacher bei Herzpatienten“. HST

Nitrat im Trinkwasser und in der Nahrung wurde häufig als potentiell krebserzeugend bezeichnet. Die Vorstellung ist, daß sich Nitrat in Nitrit verwandelt, welches wiederum mit Aminen aus der Nahrung krebserzeugende Nitrosamine bildet. Wie die Harvard Medical School mitteilt (HMS Health Letter Juni 87, S. 2), ist diese Besorgnis um Nitrat in der Nahrung wenig begründet. Sie beruft sich dabei auf Studien in Louisiana/USA, Japan, England und Kanada, wonach die Aufnahme von Nitrat nicht mit der Häufigkeit von Magenkrebs korreliere. Negativ war auch eine Untersuchung stark nitrat-exponierter Arbeiter einer Düngemittelfabrik.

Tödlich hingegen können Nitrate für Säuglinge sein, deren Fläschchen regelmäßig mit hochbelastetem Wasser zubereitet werden. Das Journal of the American Medical Association (Bd. 257/87, S. 2788 ff.) beschrieb kürzlich mehrere solcher Fälle und warnte, die mit Nitratvergiftung einhergehende Cyanose (Blausucht) nicht mit Herzinsuffizienz zu verwechseln. HST

Der Halbgott Herkules hat während seiner Heldenkarriere den Stall des König Augias ausgemistet, so erzählt die griechische Sage. Diese gewaltige Aufgabe erscheint als ein Kinderspiel gegenüber der Leistung der Mistkäfer: Rund 45 Millionen Tonnen Dung werden von den Rinderherden der Erde jährlich produziert – und von den Käfern wieder beseitigt.

Wie wertvoll die Arbeit der Mistkäfer ist, merkten die Australier, als sich auf ihren Viehweiden die Kuhfladen anhäuften. Die in Australien heimischen Mistkäfer fraßen und vergruben nur den gewohnten Dung der Känguruhs und anderer Beuteltiere, den Kuhmist dagegen verschmähten sie. Deshalb blieben die Kuhfladen sehr lange auf den Weiden liegen, unterdrückten das Wachstum der Gräser und luden Scharen von Dungfliegen zur Eiablage ein. Erst als einige Mistkäferarten aus Afrika zu Hilfe geholt wurden, verschwanden die Dunghaufen, und zugleich nahm die Fliegenplage deutlich ab.

Auch unsere einheimischen Mistkäfer schätzen den Dung auf den Viehweiden und sind ebenso fleißig wie ihre afrikanischen Verwandten. Wie Richard Wall und Les Strong von der Universität Bristol in der Zeitschrift Nature (Bd. 327/87, S. 418) schreiben, können dennoch Kuhfladen unberührt liegenbleiben. Schuld daran sind Wurmmittel wie Invermectin, die das weidende Vieh vor parasitischen Würmern und Insekten schützen sollen und auch im Dung noch wirkungsvoll bleiben. Die Wissenschaftler untersuchten den Abbau von Kälbermist auf der Weide. Dabei erwiesen sich die Kuhfladen der mit Invermectin behandelten Kälber als sehr dauerhaft. Nur ganz vereinzelt setzten sich Mistkäfer auf den vergifteten Dung. Selbst nach hundert Tagen, als die Kuhfladen der unbehandelten Kälber längst in der Erde verschwunden waren, lagen die wurmmittelhaltigen, inzwischen etwas eingetrocknet, immer noch auf dem Gras.

Der unerwünschte Schutz der Kuhfladen durch das Wurmmittel kann von der Art und Weise abhängig sein, wie es den Rindern verabreicht wird, sowie vom Standort der Weide und der ansässigen Insektenfauna. Doch das Prinzip „viel hilft viel“ scheint bei Wurmmitteln nicht empfehlenswert. Sonst könnten die parasitenfreien Rinder eines Tages hungrig auf ungenießbarem, von dauerhaften Kuhfladen bedecktem Gras stehen. D. K.