Armer Kerl“, seufzte mitleidig ein Journalist. Helmut Kohl las gerade auf der Pressekonferenz vor, daß er dem Bundespräsidenten herzlich danke „für das, was er mit Würde und Autorität während seines Staatsbesuchs in der Sowjetunion für unser Land und für die deutsch-sowjetischen Beziehungen geleistet hat“. Der Dank eines Mannes, der zusehen mußte, wie Weizsäcker mühelos Ehre und Respekt einheimste, während ihm die glanzlose Rolle des Problemverwalters blieb?

Nichts da, beteuerte die Union, man sei mit der Reise Weizsäckers rundum zufrieden, ihre Vorbereitung sei im übrigen zwischen Kanzler und Präsident eng abgestimmt gewesen. Mißtöne durch den Kanzlerberater Teltschik? Offiziell heißt es, ein Journalist habe die Bemerkungen des Ministerialdirektors vergröbert und entstellt: „Sowjetische Offensivstrategie unverändert“. Inoffiziell spricht man von „Ungeschicklichkeit“ und auch davon, daß Teltschik ja nur Tatsachen mitgeteilt habe.

Sicher ist, daß Teltschik den Weizsäcker-Besuch nicht stören wollte. Und auch die Union möchte sich das nicht gerade häufige Erlebnis eines harmonischen Gleichklangs mit Weizsäcker nicht stören lassen. Sogar der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Dregger rühmte, der Bundespräsident habe die Interessen der deutschen Nation in Moskau mit „Würde und Selbstachtung“ vertreten. Und ganz kühne CDU-Strategen erwärmen sich sogar an dem Gedanken, das Renommee des Präsidenten künftig mehr für die Union zu nutzen. Ob das immer gut geht?

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Nun also hat der Bundesrat den ersten Schritt getan, um den Umweltschutz ins Grundgesetz zu bringen. Dafür sind mittlerweile fast alle, aber wie das geschehen soll, ist noch umstritten. Die Mehrheit des Bundesrats einigte sich vorläufig auf folgenden Gesetzentwurf: „Die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen stehen unter dem Schutz des Staates. Bund und Länder regeln das Nähere in Gesetzen unter Abwägung mit anderen Rechtsgütern und Staatsaufgaben.“

Den Bayern geht das schon viel zu weit; der Umweltschutz erhalte „nahezu absoluten Vorrang“. Ein Vertreter der SPD-Länder findet dagegen den Gedanken des Umweltschutzes „minimiert, relativiert und diskreditiert“. Der FDP-Abgeordnete Baum begrüßt zwar, daß sich die FDP mit ihrer Forderung in der Koalition durchgesetzt habe, hält aber die Bundesratsfassung noch für verbesserungsbedürftig. Eine ziemlich typische Bonner Konstellation.

Leicht wird es nicht werden, einen Kompromiß zu finden, der ist aber notwendig, weil die Grundgesetzänderung eine Zweidrittelmehrheit erfordert. Es sieht so aus, als ob die Union nicht das Odium auf sich nehmen möchte, dem Umweltschutz einen Platz im Grundgesetz zu verweigern, aber ein möglichst schattiges, unauffälliges Plätzchen würde ihr schon genügen.