„Die Flüchtigen“ von Francis Véber

Gérard Depardieu ist ein bulliger Schränker, der nach fünf Jahren Knast (Eigentlich bin ich ja stolz darauf, nie eine Filmhandlung zu erzählen, obwohl man sich damit über 75% des gesamten Beitrags quälen kann, einschließlich Überraschungsschluß und daß dem Helden die Flucht gelingt, weil er Frauenkleidung anlegt und seine Tochter als Sohn ausgibt, aber man soll auch nicht allzu rigide sein) aus Versehen in einen Banküberfall gerät, den der schusselige Pierre Richard verübt, um seine sechsjährige Tochter Yveline Ailhaud, welche seit dem Tod der Mutter vor drei Jahren kein Wort mehr gesagt hat, vor dem Staatlichen Kinderheim zu retten. Richard nimmt ausgerechnet Depardieu als Geisel, und nun sind der Möchtegern- und der Möchtejetztendlichnichtmehr-Gauner einander auf Gedeih und Verderb anheimgegeben: Flucht in Ketten wobei das stumme kleine Mädchen sehr artig die Ketten spielt. Es sagt nicht viel, aber was es sagt, ist schön empfunden.

jedem, der weder Gérard Depardieu noch Pierre Richard leiden kann, sei dieser Film empfohlen, denn zusammen sind sie sehr erträglich. Und der eigentliche Star des Films ist die kleine französische Stadt mit dem amtlichen Kfz.-Kennzeichen 33, die alles hat, was das Auge braucht, um sich wohlzufühlen und in die man gern immer schon mal gefahren wäre, wenn man nur wüßte, wie sie heißt. Im Nachspann wird es dann verraten: „Wir danken den Einwohnern der Stadt Bordeaux.“ Harry Rowohlt

„The Good Wife“ von Ken Cameron

Ja, das ist sie: eine gute Ehefrau, die rehäugige Marge (Rachel Ward), die anno 1939 in einem einsamen Landstrich Australiens gewissenhaft für Haus und Ehemann sorgt und Gutes tut, wo immer sie kann. Bei ihrem etwas rauhbeinigen aber gutherzigen Ehemann, Holzfäller von Beruf, findet sie zwar nicht die Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche, und auch ihr junger Schwager ist ihr für eine Nacht (die sein Bruder ihm zubilligt) ein eher glückloser Liebhaber. Aber sie hat sich abgefunden. Für sie ist ein Mann wie der andere. Bis, ja bis der neue Barkeeper im nahen Dorf auftaucht ... Nach einer langweilig erzählten, betulichen ménage à trois folgt der ausufernde, spannungslos erzählte Part ihres allmählichen Verfalls aus Leidenschaft. Sehr überzeugend ist das nicht. Wie alle Charaktere des Films bleibt die Figur der Marge seltsam unplastisch. Ihre plötzlich aufwallenden Emotionen werden keineswegs nachvollziehbar. Ihr Auftritt als um Liebe flehende Betrunkene hilft da wenig. In seiner Machart antiquiert und an Filme der frühen sechziger Jahre erinnernd, wäre „The Good Wife“ vermutlich besser im Vorabendprogramm des Fernsehens aufgehoben als im Kino.

Anne Frederiksen

Sehenswerte Filme

„Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard. „Komm und siehe“ von Elem Klimov. „Uhrwerk Orange“ von Stanley Kubrick. „Das grüne Leuchten“ von Eric Rohmer. „Das Gesetz der Begierde“ von Pedro Almódvar.