Anfang November wird die EG-Agrarkasse endgültig leer sein. Brüssel hat dann kein Geld mehr für Exportsubventionen und den Ankauf von Überschüssen. Die Briten haben lange auf diesen Moment gewartet, der ihrer Erwartung nach einen heilsamen Zwang zur Reform der kostspieligen Gemeinschaftspolitik ausüben sollte. Doch nun tritt das Gegenteil ein, der Absturz in die roten Zahlen macht alles noch teurer.

Da niemand ernsthaft daran denkt, die Agrarzahlungen einfach einzustellen, müssen die Mitgliedstaaten selbst das fehlende Geld vorstrecken, Diese Vorfinanzierung belastet die nationalen Budgets. Den vier ärmsten Ländern werden die Finanzierungskosten deshalb teilweise erstattet. Die Kosten dieser kuriosen Operation beziffert die EG-Kommission mit über sechzig Millionen Mark. Eine Ausgabe, die nicht nötig gewesen wäre, wenn die Finanzminister sich rechtzeitig über die Deckung des Defizits verständigt hätten.

Sechzig Millionen Mark sind eine stolze Summe für politische Trägheit und Entscheidungsschwäche. Der Bundesregierung war dies noch nicht peinlich genug, sie forderte eine Zinsentschädigung für alle. Diese absurde Freigebigkeit fand im EG-Ministerrat zum Glück keine Mehrheit. Sie ist jedoch der Erinnerung wert – als Beispiel dafür, daß der in der Bundesrepublik ständig kritisierte „Brüsseler Unfug“ oft genug in Bonn ausgebrütet wird. th