Burladingen

Burladingen liegt im Killertal. Das muß man nicht wissen, ist allerdings insofern von Bedeutung, als in dieser baden-württembergischen Kleinstadt ein politischer Meuchelmord geschah. Brutus (ein 27jähriger Arzt) stieß Cäsar (den langjährigen CDU-Landtagsabgeordneten) vom Thron mit Hilfe der Belegschaft des größten Textilunternehmens am Ort. Jetzt fragt man sich bei den südwestdeutschen Christdemokraten: Wie käuflich sind unsere Abgeordneten?

Nur wenige Wochen vor der Nominierung des CDU-Landtagskandidaten im südwürttembergischen Wahlkreis 61, der seiner seltsamen geographischen Gestalt wegen auch gerne „Bananen-Wahlkreis“ genannt wird, startete der Textilunternehmer und Trigema-Chef Wolfgang Grupp einen Werbefeldzug ganz ungewöhnlicher Art. In der eigenen Firma Jahresumsatz 115 Millionen Mark) verteilte er unter seinen 1000 Beschäftigten Beitrittserklärungen für die CDU. Sinn und Zweck der Aktion: Die neuen Mitglieder sollten bei der Wahl den Sohn des Firmen-Prokuristen unterstützen, den 27jährigen Arzt Paul-Stephan Mauz. Was aussah wie ein plumper Manipulationsversuch, klappte auf Anhieb. 120 neue Parteimitglieder verzeichnete der Kreisverband der CDU in wenigen Tagen, und die so gewonnenen neuen Parteifreunde standen alle auf der Matte, als in der Turnhalle von Jungingen der Kandidat aufs Schild gehoben werden sollte. Firmenchef Grupp hatte ihnen allen im „Hirsch“ zuvor noch einen zünftigen schwäbischen Vesperteller spendiert.

Da half dem amtierenden Abgeordneten und 58jährigen Oberstudiendirektor Theo Götz kein Appell, nicht mit „faulen Tricks“ zu arbeiten. Der junge Mauz, der antrat „den überalterten Honoratiorenklüngel und die verkrustete Parteistruktur“ aufzubrechen, hatte den Hebel gut angesetzt und neben der Trigema-Belegschaft auch die gesamte Junge Union hinter sich. Nicht einmal sein Führerscheinentzug durch eine Alkoholfahrt konnte dem forschen Aufsteiger schaden. Im Gegenteil: „Wer hier im Saale ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.“ Langer Beifall und dann ein klarer Wahlsieg.

Der Zorn alter Parteimitglieder war groß. So hatte man sich den Generationenwechsel nicht vorgestellt. Und obwohl auf Initiative von Baden-Württembergs Innenminister Dietmar Schlee der Bonner Justitiar der Partei, Peter Scheib, den wundersamen Mitgliederzuwachs in der Burladinger Textilfabrik prüfte und für rechtens befand, sollen jetzt die Ereignisse im Bananen-Wahlkreis vor einem Parteigericht erneut beraten werden.

Philipp Maußhardt