Bonn: „Cy Twombly – Serien auf Papier, 1957-1987“

Die große Schau des Cy Twombly reist noch durch Europa – Bilder, Arbeiten auf Papier und Skulpturen. Die Ausstellung der „Serien auf Papier“, die Katharina Schmidt im Städtischen Kunstmuseum Bonn zeigt, ist (mit 140 Katalognummern) gemessen an der in Zürich begonnenen Retrospektive nicht etwa klein. Sie ist auf selbstbewußte Weise anders, kammermusikalisch angelegt, nicht im mindesten Begleitprogramm, sondern intensiv bezogen aufs kleine Papierformat, auf Serien, wie sie den Maler durch die vergangenen dreißig Jahre begleitet haben: Schriftzeichen, malerische Gesten, assoziationsreiche Blätter, die wie ein musikalischer Ablauf aufeinander wirken und gleichwohl einzeln zu erreichen sind: etwa „Delian Odes“ von 1971, auf Mykonos entstanden, oder „Poems to the sea“ (1959), „Scenes from an ideal mariage“ (1987) sowie Blätter aus Gaeta und Rom, den Wohnsitzen des Künstlers. Arbeiten sind hier vereint, die heute in Privatsammlungen der Öffentlichkeit weitgehend entzogen sind. Wer Twombly kennt, denkt schon beim Klang ihrer Titel auch an sein Gesamtwerk, an dieses bildgewordene Dasein der Erinnerung, des Vergessens, dieses Zustands an „der Grenze zum Verschwinden“. Was Gottfried Boehm im (empfehlenswerten) Bonner Katalog zum „erinnernden Sehen“ Twomblys äußert, trifft auf dessen Œuvre allgemein zu und stellt sich doch in den oft kaum mehr als 30 Zentimeter im Quadrat messenden Papierarbeiten ganz konzentriert dar. Wer Twombly nicht kennt, kann sich in der Stille des Hauses, in der gleitenden, empfindsam ausbalancierten Folge der Blätter hineinsehen in die offenen, sich weitenden Bildräume. Mit Farbe und Kreide, Bleistift und Kugelschreiber sind sie gemacht, sie atmen und sprechen und schweigen, sie brechen rauschhaft auf und erglühen, fallen zurück ins beredte, vielfach bearbeitete Weiß, ganz und gar gegenwärtig in den Spuren ihrer Entstehung und immer wieder von neuem fremd in ihrer Distanz zur Wirklichkeit. Die Bonner Schau ist nicht verführerisch inszeniert, sie ist klug gehängt und reich an Varianten von Leitmotiven, die sich jenseits der Realität entfalten, als graphische Gesten, als Kritzel und Schriftzüge und neuerdings als fließende Farbe (Städtisches Kunstmuseum Bonn, bis 9. August, Katalog 39 DM).

Ursula Bode

Wichtige Ausstellungen

Düsseldorf: „Ulrich Rückriem – Skulpturen“ (Sammlung NRW bis 2. 8., Katalog 20 DM)

Frankfurt: „Walter Pichler – Skulpturen, Zeichnungen, Modelle“ (Städel bis 30. 8., Katalog 35 DM)

Kassel: „documenta 8“ (Fridericianum, Orangerie, Innenstadt, Aue-Park u. a. bis 20. 9., Katalog 3 Bde. 90 DM)