Als Journalisten noch darüber spekulierten, ob der Schweizer Versicherungskonzern Winterthur wohl Teile der gewerkschaftseigenen Volks fürsorge kaufen will oder nicht, trafen sich Winterthur-Generaldirektor Gerhard Christen und Richard Valtin, der Generalbevollmächtigte der Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft (AMB), unbeachtet von der Öffentlichkeit in Berlin. Das war am Freitag vergangener Woche. Sie wollten sich beim Bundeskartellamt ein Geschäft absegnen lassen.

Es geht um runde 390 Millionen Mark. Diesen Betrag überweisen die Eidgenossen an vier AMB-Töchter. Dafür erhalten sie von ihnen eine Minderheitsbeteiligung von insgesamt 37,2 Prozent an der Kölner Nordstern Allgemeine Versicherung AG. Dadurch verschaffen sich die Schweizer ein zweites Standbein in der Bundesrepublik, denn bisher haben sie nur eine eigene Niederlassung in München.

Die Transaktion paßt auch Helmut Gies bestens ins Konzept. Verfolgt der AMB-Chef doch die Strategie, sich auf Mehrheitsbeteiligungen wie etwa an der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) zu konzentrieren.

Auch wenn das offizielle Okay der Berliner Wettbewerbshüter Anfang der Woche noch ausstand, ist so gut wie sicher, daß Kartellamtslionenhandel wohl genehmigen wird.

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Der Siemens-Konzern strebt offensichtlich an, mit seinem Elektronik-Know-how verstärkt in das Flugzeuggeschäft einzusteigen. Mit dem amerikanischen Flugzeugkonzern McDonnell Douglas (MDD) sollen, so eine Verlautbarung, die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit bei der „Entwicklung, Produktion und Wartung“ eines Panzerabwehr-Hubschraubers (AH-64B/G) des amerikanischen Unternehmens untersucht werden.

Die Amerikaner möchten mit der Bundeswehr ins Geschäft kommen, falls das deutsch-französische Projekt für den Bau eines solchen Hubschraubers platzt, was wegen der hohen Kosten durchaus möglich ist. Mit einem deutschen Partner rechnen sich die Amerikaner bessere Chancen aus.