Seit einiger Zeit schon rätseln die Forscher, warum manche Menschen, die sich vor mehr als neun Jahren infiziert haben, nicht erkranken. So kennt man in New York 13 Männer, deren Aids-Infektion mindestens neun Jahre zurückliegen muß – und die sich dennoch bester Gesundheit erfreuen.

Ende der siebziger Jahre hatten sich Homosexuelle in mehreren Städten der USA freiwillig an einem Testprogramm für einen Hepatitis-B-Impfstoff beteiligt. Damals wurden Blutproben von ihnen tiefgefroren. Mit dem Einverständnis der ehemaligen Probanden wurden diese alten Blutkonserven auf Aids-Antikörper getestet.

Das Immunsystem der 13 Männer sei "völlig normal", sagt die Chef-Epidemiologin des New Yorker Blut-Zentrums, Dr. Cladd Stevens. Erstaunlicher noch: Von insgesamt 87 Personen, die in der New Yorker Studie erfaßt wurden und sich nachweisbar schon vor dem Jahr 1981 mit dem Aids-Virus infiziert hatten, ist bisher ein einziger an der Immunschwäche erkrankt.

Dies steht im Widerspruch zu früheren Untersuchungen, die das Erkrankungsrisiko von Aids-Virusträgern auf mindestens 20 bis 30 Prozent innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Infektion schätzen. Die Rate jener, die in diesem Zeitraum an geschwollenen Lymphknoten und anderen Aids-bezogenen Symptomen zu leiden beginnen, ist noch wesentlich höher. Einige Aids-Experten gehen sogar davon aus, daß alle Infizierten früher oder später erkranken.

Für diese These sprechen die Daten von Homosexuellen aus San Francisco, die ebenfalls an den Hepatitis-Impftests teilgenommen hatten. Hier sind von 155 Personen, die sich vor mehr als sieben Jahren angesteckt hatten, nur mehr neun völlig gesund.

Einer von vielen möglichen Gründen für diesen Widerspruch in den epidemiologischen Befunden ist die überraschend hohe Mutationsrate des Aids-Erregers, die nach neuesten Erkenntnissen etwa fünfmal höher liegt als jene der als wechselhaft bekannten Grippeviren. Es wäre nicht erstaunlich, sollten sich die einzelnen HIV-Stämme als unterschiedlich starke Krankheitserreger erweisen.

Wie die New York Times berichtete, gibt es sogar Hinweise dafür, daß sich bei "sehr wenigen" Patienten die Symptome einer Aids-Erkrankung wieder ganz zurückgebildet haben. Darüber hinaus scheint es auch Unsicherheiten im Aids-Test zu geben: Nach einer vorläufigen Studie der Nationalen Gesundheitsinstitute (National Institutes of Health) erwiesen sich von 4955 im Aids-Test positiven Personen immerhin fünf bei einer Nachkontrolle als frei von Aids-Antikörpern, der Test ist dann negativ.