Der Schwarzwald, eine der prominentesten Ferienregionen der Bundesrepublik, möchte im Gespräch bleiben. So wird den Gästen, die das bewaldete Mittelgebirge als Sommerfrische aufsuchen, zum Besuch des Europarks im badischen Rust geraten. Dort nämlich seien die "Piraten von Batavia" eingetroffen.

Bei diesem wilden Haufen handelt es sich um eine Bande elektronisch gesteuerter Androiden, die – wie ihr Vorbild in Amerikas Disneyland – Gangsterkämpfe auf See vorführen. Die Empfehlung aus Freiburg an "rund sechs Millionen Schwarzwaldurlauber" lautet, in die "geheimnisvolle Welt Niederländisch-Ostasiens einzutauchen".

Eine gute Idee. Denn was läge näher als Batavia, wenn man denn schon im Schwarzwald weilt.

Freizeit- und Familienparks gibt es derzeit 32 zwischen Nordsee und Alpen. Sie werben mit Attraktionen, zu denen meist auch eine artifizielle Präsentation von Ländern zählt, die realiter weitflächig über den ganzen Erdball verkleckert liegen. Was böte sich da Besseres an, als den seit langem beklagten Drang des Reisenden in die weite Welt zu bremsen, indem man die weite Welt einfach nach Hause holt. Es gilt, die Ferne im Nahen zu entdecken. Batavia am Rhein bei Rust.

Gottlob breiten sich diese Reißbrett-Parks mit ihren Retorten-Abenteuern genau zum rechten Zeitpunkt aus. Denn: Wird es nicht immer schwerer, mit unberührter Natur ganz ungerührt zu werben? Schon rauscht kein Bächlein mehr so klar wie in Franz Schuberts Liedern.

Zu großen Klagen ist wahrlich kein Grund gegeben. Denn, wo immer die Natur uns verläßt, da wachsen zugleich auch Disneys schöne neue Welten. Und der Deutschen Hang zu Naturschwärmerei war immer schon eine seltsame Sache. Rainer Maria Rilke, wenn er denn noch lebte, säße jetzt gewiß verstockt auf einer Bank im Schwarzwald, um weinerlich zu dichten: "Die Nadeln fallen, fallen schon ganz nah, sie fallen mit verneinender Gebärde."

Doch Larmoyanz ist unsre Sache nicht. Wir leben positiv, wir lieben Action. Drum fahrn wir nach Batavia, Batavia im Schwarzwald.

Rosemarie Noack