Unternehmensberater helfen bei der Sanierung des Theaters in der Hansestadt

Tobias Richter weiß, was er will: Er will „unter optimalen Bedingungen hervorragende künstlerische Arbeit leisten“. Wer nun meint, diese Absicht stünde in krassem Widerspruch zu dem Posten eines Generalintendanten in der verarmten und zudem sparwütigen Hansestadt Bremen, der irrt: „Ich bin auch nach Bremen gekommen, um auszuprobieren, ob’s mit dem Existenzminimum geht“, gesteht er heute nach nun zweijähriger Amtszeit.

Tobias Richter wußte auch, wohin er kommt: in ein Theater mit drei Spielstätten, deren Zentrale in einem technisch und baulich erbärmlichen Zustand war, und in einen Stadtstaat, dessen frisch gewähltes Oberhaupt in seiner Regierungserklärung ausdrücklich neue Sparmaßnahmen ankündigte. „32 Millionen fürs Theater sind genug“, meinte der Bremer Senat, übrigens schon länger: Seit 1983 stagnieren die Theateraufwendungen (1983: 31,9 Millionen Mark). Bremen liegt damit erheblich unter dem Durchschnitt der Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern.

An dieser knauserigen Haltung änderte auch das von der Bremer Universität Ende 1986 veröffentlichte Gutachten über „wirtschaftliche Auswirkungen von Kulturangeboten in Bremen“ nichts. Darin steht, daß „die Kultur (in Bremen) heute den wesentlichsten Bereich unterdurchschnittlichen Images darstellt“ und daß „kulturelle Aspekte bei unternehmerischen Standortentscheidungen sehr wohl Bedeutung haben“. Außerdem rechneten die Wissenschaftler vor, daß den „Theaterausgaben... Eigeneinnahmen in Höhe von 5,185 Millionen Mark und... induzierte Zuflüsse an die Wirtschaft von 26,7 Millionen Mark sowie direkte und induzierte Steuerrückflüsse von 2,4 Millionen Mark“ gegenüberstehen.

Den Bremer Senat jedoch beeindruckten diese Zahlen nicht. „Wir können uns das einfach nicht leisten“, erklärt Finanzsenator Claus Grobecker gebetsmühlenartig. Das hatte Tobias Richter offenbar kommen sehen. Also inszenierte er nicht nur Publikumsrenner wie die „Zauberflöte“, „Elektra“ und „Tannhäuser“, welche die Bremer in Scharen ins Theater strömen und begeistert wieder herauskommen ließen. Obendrein suchte der heute 34jährige Sohn des berühmten Bach-Interpreten Karl Richter Kontakte zu den Zuschauern. Vor allem aber beschäftigte ihn der Gedanke, wie er „was verändern, verbessern“ könne, ohne „auf absehbare Zeit mit dem warmen Geldregen rechnen zu dürfen“.

Daß kostspielige Baumaßnahmen dringend erforderlich sind, wird verständlich, wenn man weiß, daß seit der ersten Aufführung im „neuen“ Theater am Goetheplatz anno 1950 außer für die notwendigsten Instandsetzungsarbeiten praktisch nichts in das Haus investiert worden ist. Jetzt ist das Theater, wie Richter sagt, „vergleichbar mit einem alten Auto, das viel Sprit und Reparaturen braucht“.

Derzeit droht gar der Entzug der Betriebserlaubnis: Wegen der Unfallgefahr ist der Kulissentransport mit den Lastenaufzügen schon jetzt nicht mehr möglich, die Schlosserei wird vom Gewerbe- und Unfallversicherungsverband (GUV) aufgrund verschiedener Messungen und der nicht mehr existierenden Material-Absenkanlage für die neue Spielzeit nicht mehr freigegeben, in der Schusterei bemängelte der GUV Gesundheitsgefährdung durch Nitrodämpfe, die Brandmeldeanlage entspricht längst nicht mehr den Vorschriften, die Duschen der Techniker sind von Pilzen „bewohnt“, und wenn die drei eisernen Vorhänge nicht endlich hergerichtet werden, gibt’s im Winter keine Vorstellungen.