Nach ihrem rasanten Aufstieg in die Weltspitze des Damentennis ist Steffi Graf nun auch zum Liebling der Werbetreibenden in der Bundesrepublik aufgerückt. Manch ein PR-Manager in der Branche schätzt die Werbewirksamkeit des gerade erst volljährig gewordenen Mädchens bereits höher ein als die des bisherigen Superidols Boris Becker.

Dieter P. Schneider, Geschäftsführer der Frankfurter Jade Cosmetic GmbH, fällt nur Überschwengliches ein, wenn er auf seine neue Geschäftspartnerin aus dem badischen Brühl zu sprechen kommt: "Steffi Graf symbolisiert Jugend, Leistung und Fitneß. Sie ist dynamisch und erfolgreich." Entscheidender noch: "Steffi ist sich bisher immer treu geblieben. Das Image, das sie sich so erworben hat, ist geradezu ideal."

Schneider präsentierte jüngst in Hamburg der Öffentlichkeit einen zunächst auf zwei Jahre angelegten Sponsorenvertrag zwischen der Hoechst-Tochter Jade und dem Tennisstar. Steffi Graf verpflichtet sich darin, über Anzeigen in Frauenzeitschriften, in Fernsehspots und PR-Veranstaltungen eine neue – eigens auf Steffi Graf zugeschnittene – Körperpflegeserie unters Publikum zu bringen. Eine langfristige Option auf die Zukunft nach Ablauf der zweijährigen Vertragszeit ist bereits vereinbart. Über das Honorar schweigen sich beide Partner aus, die Spekulationen schwanken aber um Beträge im Bereich von einer Million Mark.

Sieben Werbe- und Sponsorverträge hat Vater Peter Graf inzwischen für seine Tochter abgeschlossen, wobei ihm Kenner der Branche äußerste Umsichtigkeit bescheinigen.

Schon seit zwei Jahren ziert Steffis rechter Arm das Emblem der Rüsselsheimer Adam Opel AG. Ihre Tennisbekleidung stellt der Sportartikelhersteller adidas aus dem bayerischen Herzogenaurach zur Verfügung, und dies schon seit über vier Jahren, einer Zeit also, als Steffi sich im Alter von 14 Jahren noch in der Gegend des zweihundertsten Platzes auf der Weltrangliste befand. Seit über einem Jahr hat sich auch der Chemieriese BASF einen festen Platz auf Steffis Trikot gesichert, während die Bielefelder Fruchtsaftkelterei Granini vertraglich sichergestellt hat, daß sich die Sportlerin in Spielpausen mit einem Granini-Handtuch das Gesicht abtrocknet. Mit von der Partie ist schließlich Dunlop mit Tennisschlägern und die Bild mit Exklusivbeiträgen.

Jene Werbemanager, die schon in frühester Zeit auf Steffi Graf gesetzt hatten, sehen sich jetzt reichlich belohnt. Wilbert Majer, Pressesprecher in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale: "Wir haben schon vor über zwei Jahren einen Vertrag mit Steffi geschlossen, da war noch nicht einmal der Hauch eines Vergleiches mit Boris Becker möglich." Jetzt dagegen ist Steffi "eine der Top-Sportlerinnen in unserem Land, jugendlich, sauber, leistungsbewußt, ein Mädchen, mit dem man gerne zusammenarbeitet". Einig ist sich die Branche über den besonderen Wert, den die junge Sportlerin für Sponsoren und Werbetreibende besitzt. Steffi Graf steht – im Gegensatz zu anderen Spitzensportlern – nicht nur für hohe Leistungen, sondern vor allem für die Konstanz dieser Leistungen.

"Steffi ist in ihren Leistungen und daher auch in ihren Sympathiewerten beständiger als Boris Becker", meinte etwa der Mitinhaber einer großen Hamburger Werbeagentur. Beleg für diese Auffassung ist die bis zum Juli ungebrochene Serie von 45 Siegen an einem Stück, die die Tennisspielerin endgültig zum Publikumsliebling gemacht hatte. Ihre Niederlage gegen Martina Navratilova in Wimbledon trug sie sogar noch weiter auf der Sympathiekurve nach oben. "Die Niederlage in Wimbledon hat mich etwas menschlicher gemacht", findet die Brühlerin selbst – und nach Ansicht der Werbebranche zu Recht.