Wien ist als Destination der Konferenzveranstalter in eine Phase der Stagnation geschlittert. Selbst das eben erst eröffnete „Austria Center Vienna“, der Alpenrepublik modernstes und monumentalstes Tagungszentrum am Donauufer in unmittelbarer Nachbarschaft der UNO-City, bemerkt in einer Presseaussendung lapidar: „Wien konnte im vergangenen Jahr keine Anteilsgewinne am Konferenzmarkt verzeichnen.“

Das soll jetzt anders werden – immerhin erhöht das neue Haus, dessen 14 Säle gut 4200 Konferenzgäste fassen, Wiens Tagungskapazität um beinah 20 Prozent. Das Management, die „Internationale Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien AG“ (IAKW), wirbt denn auch schon seit mehr als einem Jahr massiv für den grauen, sechseckigen Betonkoloß, der wie ein bulliger Wachhund zu Füßen der UNO-Bürotürme hockt.

Multifunktional ist das „Austria Center“ gewiß – außer den Tagungsräumen verfügt es über 6500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, über die ausgefeiltesten Einrichtungen der Konferenztechnik, über ein Pressezentrum mit Hörfunk- und Fernsehstudios sowie über einen Servicebereich mit mehreren Restaurants, Erste-Hilfe-Station, Postamt und Polizeiwache.

Beliebt freilich ist der Palast dennoch nicht. Die Teilnehmer der KSZE-Konferenz beispielsweise, die jetzt nach dem Willen der österreichischen Bundesregierung vom zentral gelegenen Tagungszentrum in der Hofburg ins „Austria Center“ umziehen müssen, mäkelten jüngst im Nachrichtenmagazin profil über das ungeliebte neue Domizil im Abseits des Außenbezirks Kagran: Die Verkehrswege seien zu lang, es fehlten die Annehmlichkeiten der City-Infrastruktur, und dazu würden auch noch höhere Mieten in Rechnung gestellt.

Umstritten war das „Austria Center“ bereits lange, bevor es seine Tore geöffnet hatte. Schon in der Planungsphase, in den siebziger Jahren, wurde es zum Zankapfel zwischen der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) und der österreichischen Volkpartei (ÖVP). Letztere mobilisierte in einem Volksbegehren immerhin 1,4 Millionen Österreicher gegen Bruno Kreiskys Mammutprojekt.

Lange währte auch das Hickhack, wer nun das Konferenzzentrum managen solle. Während Herbert Salcher als Finanzminister mit der privaten „Hofburgbetriebsgesellschaft“ liebäugelte, machte sich 1984 sein Nachfolger Franz Vranitzky (wie der Leiter des IAKW ein ausgedienter Sekretär von Kreiskys verstoßenem Polit-Ziehsohn Hannes Androsch) für eben jene – staatseigene – IAKW stark.

Vranitzkys Wille geschah. Zwar führten die IAKW und die „Hofburgbetriebsgesellschaft“ noch Sondierungsgespräche über eine Kooperation, aber vor rund anderthalb Jahren endete der Dialog mit einem Eklat: Das Bautenministerium kündigte den Hofburg-Managern kurzerhand den Pachtvertrag.