Die Machtverhältnisse in der CDU: Helmut Kohl stützen, aber mehr als ein Wahlverein sein

Von Gunter Hofmann

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"Der Geist steht rechts." Lapidar und provozierend behauptet das ein neues Buch im Titel. Neugierig und auch ein bißchen verblüfft haben die Nachdenklichen in der CDU, die man fragt, ob das denn stimme, darin jedenfalls schon mal geblättert.

Sollte der Geist, der Ende der sechziger und in den siebziger Jahren nach verbreiteter Überzeugung links stand, auf Samtpfoten die Seiten gewechselt haben? "Ich fürchte", erwidert Heiner Geißler im Blick auf die Lage seiner Partei, "soweit sind wir wirklich noch nicht." Aber die CDU übe Macht aus und sei "insoweit interessant". Im übrigen: Was heißt "Geist"? Und was "rechts"?

Der Autor des Buches (Untertitel: "Ausflüge in die Denkfabriken der Wende", Rotbuch-Verlag), Claus Leggewie, ein linker und unorthodoxer Kopf, meint ernsthaft, wenn es hierzulande nicht gerade eine "kulturelle Hegemonie" des Konservatismus gebe, so doch konservative Denkbewegungen in ziemlicher Bandbreite, die attraktiv genug seien, sie näher zu betrachten.

Ob er wirklich behaupten will, in Heiner Geißlers Adenauerhaus, im Büro von Wolfgang Bergsdorf (Bundespresseamt) oder in Denkfabriken sei die Wende vorbereitet worden; ob er sagen möchte, konservative Köpfe sicherten Kohls Regierung ab, das Projekt der Moderne werde nun ausgerechnet von rechts entworfen; oder ob er den Zeitgeist ganz einfach in Einklang mit den herrschenden Bonner Verhältnissen sieht – das alles erfährt man nicht so genau.