Der neue CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen ist ein gefährlicher Herausforderer für den sieggewohnten Ministerpräsidenten Johannes Rau

Von Heinz-Günter Kemmer

Für Johannes Rau wurde am vergangenen Freitag die gute alte Zeit noch einmal wach. Denn da erschien auf dem Bildschirm Bernhard Worms, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag und als Spitzenkandidat seiner Partei Raus Gegner im vorigen Landtagswahlkampf. Worms zog zwar heftig über die Politik des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten her, dies aber in seiner bekannt biederen und ein wenig hilflosen Art, die eher Mitleid mit dem Kritiker als mit dem Kritisierten auslöst.

Aber Worms, der es ihm immer so bequem gemacht hat, ist nicht mehr Raus Gegner Nummer eins. Seit die von Kurt Biedenkopf zwar vereinigten, untereinander aber immer noch zerstrittenen Christdemokraten aus Westfalen und dem Rheinland den Bonner Arbeitsminister auf den Schild des Landesvorsitzenden hoben, hat Rau im sozialdemokratischen Stammland Probleme. Norbert Blüm setzt ihn zunehmend unter Druck, weil er ständig in Aktion ist und versucht, die Ratlosigkeit der Genossen bei der Bewältigung der Montankrise deutlich zu machen.

Paradebeispiel ist der Streit zwischen Bonn und Düsseldorf über einen Landesbeitrag zur Finanzierung der Sozialpläne in der Stahlindustrie. Da hatte zunächst Thyssen den Schwarzen Peter an die Politiker abgegeben. Die Massenentlassung von bis zu zweitausend Mitarbeitern in Hattingen und Oberhausen wurden von Deutschlands größtem Stahlkonzern nur für den Fall angekündigt, daß die Öffentliche Hand die bisher üblichen Hilfen versagen sollte.

Die Bundesregierung verwies auf die nächste Sitzung des Stahlministerrats der Europäischen Gemeinschaft im September, die abgewartet werden müsse, förderte aber sogleich für den Fall einer positiven Entscheidung in Brüssel einen Beitrag des Landes ein. Doch Rau und sein Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen sperrten sich. Die Finanzierung von Sozialplänen sei nicht Sache des Landes. Und noch in der vergangenen Woche insistierte Jochimsen, es sei "zuallererst der Bund gefordert, sein ganzes Engagement zur weiteren Vermeidung von Massenentlassungen einzubringen".

"Kumpel Nobbi"