Sperrfeuer

Nirgends auf der Welt, hatte Südafrikas Präsident Pieter Willem Botha kürzlich im Wahlkampf verkündet, könne sich die schwarze Widerstandsorganisation African National Congress (ANC) vor Vergeltung sicher fühlen. Löst Botha jetzt sein Wahlversprechen auf blutige Weise ein? Läßt Pretoria Todesschwadronen im Ausland zuschlagen? Dies glaubt jedenfalls das ANC-Hauptquartier in Sambias Hauptstadt Lusaka: Zwei führende ANC-Mitglieder, die am 9. Juli vor dem Parlamentsgebäude von Swasiland von drei Weißen aus einem in Südafrika zugelassenen Wagen erschossen wurden, seien Opfer einer Polizeiaktion Pretorias geworden. Insgesamt elf ANC-Mitglieder wurden während der vergangenen acht Monate in Swasiland erschossen; im Mai töteten weiße Attentäter drei mutmaßliche ANC-Angehörige in Moçambiques Hauptstadt Maputo. Die Todesschüsse sind ein ominöses. Sperrfeuer auch gegen die Gespräche, zu denen sich liberale weiße Südafrikaner gerade mit einer Delegation des ANC im Senegal trafen.

Blei-Tragödie

Umweltschutz ist in der Dritten Welt nur mäßig beliebt. Allzu oft wird er als Erfindung der reichen Länder beargwöhnt, um den Süden an der Industrialisierung zu hindern. Dabei sind die Folgen gerade in den armen Ländern verheerend – zum Beispiel in La Victoria, Provinz Cotopaxi in Ecuador. Vier Fünftel der 1500 Bewohner leben vom Töpfern, und seit zum Färben ein modernes, billigeres Industrieprodukt die Naturfarben verdrängt hat, stirbt jedes zweite Kind an Bleivergiftung, haben immer mehr Schwangere Fehlgeburten, steigt die Zahl der epileptischen und geistesgestörten Kinder. Weniger bleihaltige und deswegen teurere Kunstfarben kann sich La Victoria nicht leisten – und zu den „alten“ Naturfarben will keiner zurück.

Wodka-Orange, musikalisch

Jazz – „ein bourgeoiser Musikstil, der in der Sowjetunion nicht erlaubt ist“, heißt es in einem russischen Musiklexikon aus dem Jahre 1950. An diese Definition hatte man sich zwischen Leningrad und Kiew bis vor kurzem zu halten. Konzerte wurden im Untergrund veranstaltet, wenige Combos kamen zu höheren Ehren: Das Ganelin-Trio spielte LPs im staatseigenen Plattenverlag melodija ein – weil’s Devisen brachte. Gern gehört waren die avantgardistischen Klänge von Funktionären jedoch nie. Im Zeichen von glasnost darf die verfemte Musik nun wieder öffentlich erklingen: Unlängst wurde in Moskau der erste Jazz-Club seit zwei Jahrzehnten eröffnet. Im „Bluebird“ ist ab sofort die „kurioseste Verbindung zwischen amerikanischer und russischer Kultur, seitdem Wodka und Orangensaft gemischt werden“, (der US-Journalist Gary Lee) zu genießen.

Unverzügliche Korrektur

In dem ZEIT-Artikel „Ein Hauch von Beirut“ (Nr. 30/1987) zum Unglück in Herborn wurde der Kölner Express zitiert. Dazu stellt das Blatt richtig: „In der Andruckform des Express vom 9. Juli lautete eine Überschrift im Innern des Blattes: ‚Tote Silvana (18) im 8. Monat schwanger‘. Diese Information hatte uns ein als zuverlässig bekannter Redakteur eines anderen Blattes übermittelt. Als sich herausstellte, daß dies falsch war, wurde die Zeitung mit einem sogenannten ‚Blitz-Schub‘ in den laufenden Druck hinein sofort geändert. Die Überschrift lautete dann: ‚Tote Silvana (18) in der Turnhalle aufgebahrt‘. Wir haben nicht in einer späteren Ausgabe die Falschinformation verbreitet, sondern unseren Fehler unverzüglich und unter erheblichen Kosten korrigiert.“