In Bambergs alten Mauern ist der Ruhm der Vergangenheit nicht spurlos verweht

Von Wolfgang Boller

Ein Rüchlein von gebratener Wurst liegt über Bamberg. Von Labsal zu Labsal sind’s jeweils nur wenige Schritte, als wäre dies nicht eine ernsthafte Gemeinde, sondern eine ewige Kirmes, und das Leben im Stadtdenkmal nicht Mühe und Arbeit wie überall, sondern eine einzige Brotzeit. Auf dem zentralen Maxplatz wetteifert der Alt Bamberger Wörschtwog’n mit den Bratwürsten vom Holzkohlegrill, um die Ecke, an der Promenade steht der Bamberger schmausend vor Schmid’s Speisewagen und Hacker’s Rostbratwürsten, bereits an der Promenadenstraße empfiehlt sich Hummer’s Imbiß. Dazu schmeckt’s ringsum aus Metzgereien und Grillstuben nach Schweinsbratwürsteln, Fleischpflanzerln und Leberkäs sowie im größeren Umkreis von den Feuerstellen aus 360 Wirtshäusern und Garküchen höchst einladend nach Pfannengerichten und zum wiederholten Male aufgewärmtem Sauerkraut: Bamberg für Bratwurst, für Brotzeit und Bier.

Das schmucke Altstadtherz, gleich einer barocken Festwiese aus Sandsteinfassaden und Katzenköpfen, ist zwischen dem rechten Regnitzarm und dem Dom sowie Vorderem Graben und Schoenleinsplatz kaum größer als die Münchner Theresienwiese. Auf 1000 Schritt in der Länge und 500 in der Breite bringt Bamberg drei große Plätze unter, eine Tiefgarage, sieben Universitätsgebäude, ein Stück Regnitz mit vier Brücken sowie vier Kirchen und den Dom mit der Alten Hofhaltung und der prächtigen Neuen Residenz. Die Gäßlein hinter dem Grünen Markt und zu Füßen des Dombergs haben die Schultern eingezogen und sich in Demut gekrümmt vor so viel klerikaler und bürgerlicher Prachtentfaltung, so viel Frömmigkeit und Herrlichkeit: ein gutes Dutzend unvergleichlicher Sehenswürdigkeiten, zuvörderst natürlich die Gotteshäuser.

Das Schicksal der guten Stadt Bamberg ist im Buch der Geschichte und Legenden als Entwurf irdischer Macht und religiöser Inspiration von der ersten Stunde an vorgezeichnet: eine Domburg über den Auen der Regnitz als Residenz eines geistlichen Fürstentums. Der kaiserliche Bistumsgründer Heinrich II. legte ein Kreuz über die Inselstadt, markiert gleich einem Sternbild durch die Stiftskirchen St. Michael und St. Stephan sowie St. Jakob und St. Gangolf. Von einem Standpunkt in der Unteren Seelgasse (Nr. 1 bis 42) offenbart sich der Kreuzbalken in schnurgerader Reihung der Turmhelme mit den Westtürmen des Doms als Schnittpunkt.

Das Kreuz der Stadt umgreift das Zentrum der üppig dotierten fürstbischöflichen Souveränität über zwei Flußarme und sieben Hügel. Das Hochstift sollte ein deutsches Rom sein, Mittelpunkt des Kaiserreichs und der Erde (Gerhard von Seeon: „Hier ist das Haupt der Welt“), von einem Heiligen (Heinrich) gegründet, von einer Heiligen (Kunigunde) beschützt. So wälzte sich die Stadt den Berg hinunter, legte sich über die Insel (seit 1130), übersprang auch den rechten Regnitzarm (seit dem 14. Jahrhundert), krönte fünf Hügel mit Gottesburgen.

Bamberg heute ... Das sind drei Städte in einer: die Domstadt mit den Domherrenhöfen, die Inselstadt in den Regnitzarmen wie zwischen Hasenläufen und schließlich Theuerstadt, der Distrikt der Zwiebelgärten und Bahngleise; drei Städte mit acht umliegenden Stadtteilen, 13 Brücken, 18 Pfarreien und über 50 Gotteshäusern.