DIE ZEIT

Corys Erfolg

Nach fünfzehn Jahren haben die Philippinen wieder ein frei gewähltes Parlament; in dieser Woche hat es seine Arbeit aufgenommen.

0 + 0 = 72?

Haben Amerikaner und Sowjets sich wirklich darauf geeinigt, die 72 Bundeswehrraketen des Typs Pershing Ia samt deren amerikanischen Atomsprengköpfen bei den Genfer Gesprächen über die weltweite Beseitigung der Mittelstreckenwaffen „auszuklammern“? Das wäre überraschend.

Frei von Folter, frei zum Foltern?

Eigentlich hatte Bundesarbeitsminister Norbert Blüm nur den chilenischen Christdemokraten, die unter dem Militärdiktator Pinochet seit vierzehn Jahren ebenso verboten sind wie die Kommunisten, zum dreißigsten Jahrestag ihrer Parteigründung die Glückwünsche ihrer westdeutschen Bruderparteien CDU und CSU überbringen sollen.

Gegenkunst

Das war eine heiße Debatte. Endlich kam die schon erkaltete Diskussion über zeitgenössische Kunst wieder ins Glühen. Und was war passiert? Etwas, das die einen eine Schnapsidee, andere eine Verschandelung des Kurfürstendamms nannten, die dritten als einen gloriosen Einfall zur Popularisierung der bildenden Kunst priesen.

Der Vorhang reißt, die Bühne wackelt

Der Sommer läßt auf sich warten, das Bonner Sommertheater nicht. Kaum hat Helmut Kohl seine Urlaubskoffer am Wolfgangsee abgestellt, wird der Vorhang so heftig beiseite gerissen, daß die ganze Bühne wackelt.

Worte der Woche

„Hier handelt es sich nicht um den peinlichen Auftritt eines ahnungslosen Touristen, der sich in die Außenpolitik verirrt hat, sondern um einen Bundesminister der CDU, der dem Innenminister der eigenen Regierung in den Rücken fällt.

Zeitspiegel

An seinem Begräbnis in Istanbul nahm auch Ministerpräsident Turgut Özal teil: Örsan Öymen, der erst 49jährig an einem Herzinfarkt starb, war einer, der großen populären Journalisten der Türkei – vom Volke geliebt wegen seiner Courage vor Generalsthronen, von den Mächtigen gefürchtet wegen seiner satirischen Begabung.

Leben zwischen zwei Mühlsteinen

In Sichtweite des Hilton-Hotels, in das die Kuwaitis zwecks leichterer Kontrolle die Weltpresse geschlossen einquartiert haben, läßt sich der Golfkrieg symbolisch ausmachen.

Unter falscher Flagge

Die byzantinischen Machenschaften der Regierung Reagan behindern eine Mittelost-Lösung

Wolfgang Ebert: Postlagernd

Sehr geehrter Herr Wallmann, die Molke ist also wieder aufgetaucht und bleibt Ihnen fortan für immer auf den Fersen, versaut bzw.

Iran-Contra-Affäre: Lehren

Shultz saß vergangene Woche allein am Zeugentisch. Kein Anwalt, kein Berater war an seiner Seite, obwohl auch er zwei Tage lang als Zeuge unter Eid aussagte.

BONNER BUHNE: Kommentare für Kohl

Helmut Kohl macht Ferien, zum Streit zwischen Norbert Blüm und Friedrich Zimmermann ist "kein Kommentar" von ihm zu erwarten.

Paris: Schiffe zum Golf

Als Frankreichs Sicherheitsminister Pandraud überstürzt in Genf eintraf, war das Problem bereits gelöst. Die rund 160 Insassen der von einem libanesischen Terroristen entführten DC 10 hatten sich schon selbst befreit.

OAU: Afrika in der Krise

Die Staats- und Regierungschefs der 50 Mitgliedstaaten der OAU, der außer Marokko und Südafrika alle afrikanischen Länder angehören, trafen sich diese Woche zu ihrer 23.

Der Kosmos ist rot

Der Westen am Boden – der Osten im All: Nach Plan und mit Kraft bauen die Sowjets ihre Vormachtposition im Weltraum aus

Freispruch in Moabit: Kriminelle Herren im Senat

Eine Selbstverständlichkeit, daß man kein Verbrecher ist“ – hinter dieser Überschrift witterten Politiker der CDU und der FDP in Berlin Infames, und ihr Spürsinn trog sie nicht: Dieter Kunzelmanns Frontalangriff in einem Interview der tageszeitung (taz) gipfelte in den Worten: „Hier wird politische Herrschaft ausgeübt durch eine kriminelle Vereinigung.

Katastrophenschutz: Die Wolke über der Stadt

Schweinfurt ist in seiner 1200jährigen Geschichte dreimal zerstört worden. Zur Mitte des 13. Jahrhunderts schlug sich eine habgierige Grafensippe mit dem Bischof von Würzburg um die Siedlung am Main; 300 Jahre später wurde sie von Konfessionskriegern niedergebrannt, schließlich von den Bomben des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gelegt.

Politische Immigranten, Arbeitsuchende aus allen Erdteilen, offene Grenzen innerhalb des Kontinents: Europa ist auf dem Weg zu einer „multikulturellen“ Gesellschaft Doch wie realistisch ist die Utopie von der bunten Völkergemeinschaft?: Heimat Babylon

Im Anfang war ein Wort: „Die ganze Erde hatte nur eine Sprache und einerlei Worte.“ Doch die Menschen waren ehrgeizig. „Wohlan, wir wollen uns eine Stadt bauen mit einem Turm, dessen Spitze in den Himmel ragt, und uns so einen Namen machen, damit wir uns nicht zerstreuen müssen über die ganze Erde hin.

Erhards Erben: Immer feste druff

Martin Bangemann, FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister, ist um flotte Sprüche nie verlegen. Da kann es schon passieren, daß die eine oder andere Sentenz nicht die ihr gebührende Beachtung findet.

Zum Betteln fehlt die Armut

Es gibt viele Methoden, dem Staat Subventionen abzupressen. Für Unternehmen und ganze Wirtschaftszweige hat es sich bestens bewährt, das Wohlergehen der gesamten Volkswirtschaft, also letztlich des ganzen Staates, mit dem eigenen (argumentativ) in Deckung zu bringen.

Raumfahrt: Das teure Abenteuer

Die Würfel sind gefallen. Forschungsminister Heinz Riesenhuber hat eine Entscheidung getroffen, die zwar noch endgültig im Herbst vom Kabinett bestätigt werden muß, aber das ist eine Formalität.

Bonner Kulisse

Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Weng hat es nun schwarz auf weiß bekommen. Ein VW-Bus mit Fenster wird – sofern er mit Katalysator ausgerüstet ist – steuerlich begünstigt, ein voll verkleideter VW-Bus ohne Fenster hingegen wie ein Lkw behandelt.

Milchmarkt: Mangel trotz Überschuß

Bei der Milchzentrale Gießen beobachtet man in diesem Sommer ein merkwürdiges Phänomen. Die hessischen Bauern liefern so wenig Milch bei ihrer Molkerei ab, daß deren Kunden mit dieser Menge nicht mehr vertragsgemäß versorgt werden.

Verbrauchermärkte: Der rote Kapitalist

Die number one, die Nummer eins zu sein, das ist für Helmut Wagner schon kein Ziel mehr. Bereits Ende des vergangenen Jahres wies er alle Welt per Anzeige darauf hin: Mit über zehn Milliarden Mark Umsatz hatte sich Wagners Asko Deutsche Kaufhaus AG an die Spitze ihrer Branche gesetzt, den Selbstbedienungswarenhäusern und Fachmärkten auf der grünen Wiese.

China: Weichzeichner für Zahnräder

Cineasten, Freunde und Verwandte machten ihrem Unmut per Brief Luft. Ein „skrupelloser Akt“ sei es, schrieben sie dem Schanghaier Schauspieler Yang Zaibao, daß er persönlichen Nutzen suche, indem er mit seinem Konterfei für einen „traditionellen chinesischen Likör“ werbe.

Privatisierung in Frankreich: Ein eiskalter Taktierer

Wenn es ums Geschäft geht, kennt Francis Bouygues kein Pardon. Sein Prinzip: „Ich habe keine Kollegen – nur Konkurrenten“, hat dem Chef des mit fünfzig Milliarden Franc (knapp 17 Milliarden Mark) und fast 19 fünfzigtausend Mitarbeitern weltgrößten Baukonzerns zwar viel Respekt, aber wenig Sympathien eingebracht.

Zeit und Geld: Duden für Terminhändler

Das Geschäft mit Futures, also der Terminhandel mit Aktien, Anleihen, Gold oder auch Schweinebäuchen und Sojabohnen, hat in den vergangenen Jahren einen ungeahnten Aufschwung erlebt.

Für kurze Zeit im Rampenlicht

An der Wiener Börse scheint über Nacht die große Sommerhausse ausgebrochen zu sein. Die Aktienkurse klettern steil nach oben, die Umsätze haben sich bei einigen Papieren verzehnfacht.

AUTOSELLER

Die Automobilindustrie kann wirklich nicht klagen. Das erste Halbjahr 1987 hat den Autoverkäufern noch mehr Kunden gebracht als der Boom in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.

MANAGER UND MÄRKTE

Ebenso vergeblich wie überflüssig war das monatelange Werben des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth für die Subventionen zugunsten des geplanten Daimler-Werks in Rastatt.

Es geht aufwärts

ZEIT: Nach der Wende gaben Sie im Herbst 1982 das Motto aus: bauen, bauen, bauen. Doch Sonderprogramme des Bundes in Milliardenhöhe haben nicht den erwünschten Effekt gebracht.

ZEITRAFFER

Die Verbraucherpreise in der Bundesrepublik sind im Juli gegenüber dem Juni zwar stabil geblieben. Doch die Zahlen, die das Statistische Bundesamt jetzt auf Basis von den Ergebnissen in den Bundesländern veröffentlicht hat, haben sich verändert: Die Inflationsrate stieg von 0,2 Prozent im Juni auf 0,7 Prozent im Juli.

Sonnenfinsternis

Lohengrin: „O, Elsa, was hast du mir angethan? / Als meine Augen dich zuerst ersahn, / zu dir fühlt’ ich in Liebe mich entbrannt, / und schnell hatt’ ich ein neues Glück erkannt; / die hehre Macht, die Wunder meiner Art, / die Kraft, die mein Geheimnis mir bewahrt, / wollt ich dem Dienst des reinsten Herzens weihn; / – was rissest du nun mein Geheimnis ein? Elsa (in höchster Verzweiflung aufschreckend): „Mein Gatte! Nein! Ich laß dich nicht von hinnen!.

Zeitmosaik

Gott bewahre, ein Baudenkmal! Was bloß damit tun? Das ist eine erfundene, dennoch immerzu und überall zu hörende Frage, Stoßseufzer inklusive.

Schallplatten

Der frenetische Beifall, der auch auf der Platte festgehalten ist, läßt keinen Zweifel daran, daß am 20. April des vergangenen Jahres in Holland ein pianistisches Weltereignis stattgefunden hat.

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