Verkehrte Welt: Die feministische Zeitschrift "Emma" zieht Frauen auf die Seite der Männer. Was ist geschehen?

Mit dem Mitleid ist es so eine Sache. Mitleid adelt. Wer sein Herz dem Schmerz anderer öffnet, muß ein guter Mensch sein – doch ist er meistens nicht zu allem, was da leidet, gut. Mitleid ist ungerecht. Einzeller? Zu klein! Dinosaurier? Zu groß! Nehmen wir die Flugtiere. Die zierlichen Mücken verfolgen wir mit Haß, die kiloschweren Enten verzehren wir mit Gier, es ist das schmale Wachtelbrüstchen, das dem Nicht-Gourmet das Wasser statt im Munde in den Augen zusammenlaufen läßt. Babys dagegen, rund und niedlich, sind für Mitleid immer gut. Besonders Robbenbabys und Negerbabys. Frauen müssen schön und geschunden sein (Spiegel-Typ: "In der Ehe vergewaltigt") oder alt, zerbrechlich und mit Kopftuch (Bonner Typ: Trümmerfrau). Und Männer? Männer! Männer haben Macht. Männer bauen Atomkraftwerke und fehlerhafte Katalysatoren. Männer, das wissen heute selbst Männer, Männer sind Vergewaltiger. Männer verdienen Mitleid nie! Oder wie?

Es ist das Verdienst der Frauenzeitschrift Emma, den Mann endlich in einem Lichte zu präsentieren, der ihn des Mitleids würdig macht. Klein und hilflos. Verfolgt, geschunden. Ausgenutzt, erniedrigt, ja, erniedrigt wie eine Frau. Schlimmer noch, von einer Frau!

Autopanne? Dafür gibt’s Männer! "Sag mal, du wirst dir doch nicht selber die Hände schmutzig machen!!" sagt die Freundin zur Freundin auf Seite 30 der jüngsten Emma. "Wozu sind denn die Typen sonst da!!!"

Es juckt zwischen den Beinen? RENT A MAN auf Seite 21! ".Martens‘, sagte ich zu mir, ‚sieh zu, daß du beim Vögeln immer die zahlende Partei bist. Das ist einfach die bessere Position.‘ Was dann kam, fand eine Etage höher in einem kleinen Raum statt, wurde routiniert durchgeführt und kostete 400 Mark. Ich war sehr zufrieden."

Eine Törin, die den Phallus für ein Machtsymbol gehalten hatte. Für Emma ist er ein Vibrator, schnell angestellt, schnell beiseite gelegt. "Ich liebe ohne", verkündet Angela M. F. Räderscheidt, 34 Jahre, Künstlerin, auf Seite 33: "Männer sind kein Schicksal... Immer mehr Frauen und Frauen benutzen sie nicht." Die Maschine wird abgeschafft. "Boykottiert alle Männer!" kreischt Senta Trömel-Plötz fünf Seiten lang:

"Frauen, geht nur zu Ärztinnen, wo immer möglich! ... Wählt die Ärztin, wenn ihr die Wahl habt, die Psychotherapeutin, die Masseurin. Bringt euer Geld nur noch Frauen, ob ihr ein Buch kauft oder einen Flug, eine Frisur oder ein Auto."