Jetzt auch noch Steuergelder in eine Zukunftsbranche stecken? In einer Studie für den Forschungsminister zum Thema Mikroelektronik werden Milliarden gefordert. Da sträuben sich nicht nur den Verfechtern der reinen Marktlehre die Haare. Es reicht doch wohl, wenn der Staat dort eingreift, wo der Markt versagt, jetzt soll er auch noch – ohne akute Not – eine prosperierende Branche subventionieren?

Wenn Ministeriale nicht nur denken, sondern auch lenken, nimmt das geplante Chaos meistens seinen Lauf. Am Ende geht nichts mehr, nur weiterzahlen, wie Europas Agrarmißwirtschaft zeigt. Die Anhänger der reinen Lehre haben ja recht, die Frage ist nur, wo es noch Märkte und Unternehmen gibt, die zu dieser Lehre passen.

Längst sind ganze Branchen durch das Geld vom Staat verdorben – und das nicht nur hierzulande. Selbst in der relativ jungen Branche der Informationstechnik hat der Sündenfall längst stattgefunden. Deshalb überrascht nur noch die Summe, die der Industrie erforderlich scheint: maximal 35 Milliarden Mark bis zur Jahrhundertwende. In den Vereinigten Staaten gibt man sich etwas bescheidener. Dort will man in den nächsten Jahren mit zwei Milliarden Dollar auskommen.

Hier wie im Rest der Welt entscheidet immer häufiger der Staat über den Erhalt von Arbeitsplätzen – und nicht nur das. Die Amerikaner fürchteten schon um ihre militärische Sicherheit, als ein japanisches Unternehmen einen maroden US-Chip-Hersteller kaufen wollte. Dieser belieferte nämlich das Pentagon.

Der Aufwand für Forschung und Entwicklung in der Mikroelektronik steigt im umgekehrten Verhältnis zur Größe ihrer Produkte. Die Chancen hingegen, kurzfristig Geld zu verdienen, sinken. Immer schneller, immer leistungsfähiger und dazu noch billiger, das sind die Gesetze des turbulenten Marktes. Konzerne fusionieren und kooperieren deshalb wie in fast keiner anderen Branche, um die erforderliche Finanzkraft zu erhalten. Am Ende werden es nur einige wenige sein, die das entscheidende Know-how der Basistechnologie besitzen. Und das ist nicht nur für die Elektronikbranche selbst von höchster Bedeutung.

Für mindestens fünf weitere Branchen mit drei Millionen Beschäftigten hängt die Zukunft vom Einsatz der elektronischen Grundbausteine ab. Ähnlich wie Rohöl sind sie großen Teilen der Industrie zum Schmierstoff für die wirtschaftliche Entwicklung geworden. Verständlich ist deshalb die Angst vor der Abhängigkeit vom Ausland.

Kurzfristige Gewinnerwartungen drohen als Motor für Innovationen in diesem Bereich zu versagen. Investoren brauchen nicht nur viel Kapital, sondern noch mehr Geduld. Das zeigen auch andere Beispiele: Ohne Erfolg verlief bisher der Versuch, die Privatwirtschaft für das Geschäft mit dem Airbus zu interessieren. Die Unternehmen sind mit den langfristigen Investitionen offensichtlich überfordert. Die Industrie investiert eben am liebsten dort, wo in überschaubaren Zeiträumen auch Geld zu verdienen ist. Mit großen Risiken, bei denen die Vorstände womöglich am Ende mit leeren Händen vor ihren Aktionären stehen, tun sich die Entscheider auf höchster Ebene schwer. Man kann das beklagen, aber nicht ändern.