Sein Leben böte Stoff für Fernsehdramen, die „Dallas“ zum Kinderprogramm reduzierten: John B. Connally, Politiker und erfolgloser Präsidentschaftsanwärter, erst Demokrat, dann Republikaner, Anwalt und Viehzüchter, Texaner in Überlebensgröße. Jetzt ist „Big John“ pleite.

Armut ist ihm nichts Neues. Zumindest erzählte er gern von den kargen Jugendjahren in einer kinderreichen Familie. Das machte sich gut für den Gouverneur von Texas, der zweimal wiedergewählt wurde und der in Status wie Stil so ganz dem amerikanischen Ideal des selfmade man entsprach. Daß Connally beim Mordanschlag auf John F. Kennedy im November 1963 schwer verwundet wurde und dennoch bald wieder im politischen Geschäft mitmischte, festigte nur „Big John’s“ Legende.

Sein Wechsel von den Demokraten zu den Republikanern allerdings bescherte ihm weniger Glanz. Opportunismus wurde dem wendigen Politiker unterstellt. Der Verdacht haftete ihm sogar noch an, als ihn Richard Nixon zum Finanzminister bestellte und Connally mit texanischer Unverblümtheit den laschen Westeuropäern einheizte.

Die politischen Glanzzeiten waren für John Connally vorbei. Das zeigte sich auch, als er 1979 mit großem finanziellen Aufwand um die republikanische Präsidentschaftskandidatur kämpfte. Er erhielt nur eine Delegiertenstimme für den Parteitag der Republikaner. Diese Unverhältnismäßigkeit der Mittel entlockte selbst den verschwenderischen Amerikanern ein mitleidiges Lächeln. Mit Connallys politischer Karriere war es nach der Bruchlandung vorbei.

Vielleicht trieb die Demütigung in der Politik Connally, auf einem anderen Feld groß herauszukommen. Denn groß, besser riesig, mußte der gesuchte Erfolg schon sein bei diesem rechten Sohn von Texas. Reich war er ja schon seit langem. Die fünf Millionen Dollar Vermögen, die Viehherden und der Mercedes 600, die prächtige Ranch bei San Antonio, in der er dem deutschen Besucher stolz die Kopie der Schöneberger Freiheitsglocke präsentierte, und die eigene Flugzeuglandebahn vor der Tür befriedigten wohl sein Ego von texanischen Ausmaßen nicht.

Aber der Aufstieg zum Superreichen klappte nicht. Seine Spekulationen mit Land und Öl gingen in der texanischen Wirtschaftskrise unter. Nun hat John Connally Bankrott erklärt. Von 170 Millionen Dollar Schulden ist die Rede. Eine amerikanische Tragödie? Ein texanisches Schicksal! „Big John“ ist erst 70. Er wird nicht im Armenhaus enden. D. B.