Über einen Mangel an Aufträgen brauchen sich die Wertpapierabteilungen der Banken nicht länger zu beklagen. In den Börsensälen geht es wieder lebhaft zu. Dabei schieben sich die Aktienkurse kontinuierlich nach oben. Viele Papiere haben in den vergangenen Tagen neue Jahreshöchststände erreicht. Hintergrund ist der feste Dollar, hervorgerufen sowohl durch die in den USA steigenden Zinsen als auch durch die Ereignisse im Persischen Golf.

Die politisch-militärische Krise im Mittleren Osten trifft in der Bundesrepublik auf einen widerstandsfähigen Aktienmarkt. Dies gilt, obwohl im Gegensatz zu allen anderen Weltbörsen – mit Ausnahme von Mailand – der deutsche Aktienindex in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ein Minus aufweist, während sich gleichzeitig der Dow Jones als gebräuchlichster Maßstab für Aktien der USA auf Rekordkurs befindet und London ein Plus von mehr als vierzig Prozent aufzuweisen hat.

Allerdings kaufen die Ausländer nicht mehr wie in den vergangenen Jahren in der gesamten Marktbreite, sondern differenzieren sehr stark. In dieser Woche standen BMW-Aktien im Vordergrund. Dagegen ist das Interesse an Daimler merklich erlahmt. Die negativen Schlagzeilen, für die das Unternehmen in jüngster Zeit gesorgt hat, wirken besonders im Ausland nach.

Massive Kaufaufträge lagen auch aus dem Ausland auch für die Papiere der Großchemie vor, die ihre Jahresschlußkurse deutlich hinter sich gelassen haben. Daß in den letzten Tagen BASF-Aktien bevorzugt wurden, hängt mit den steigenden Ölpreisen zusammen, von denen übrigens auch der Veba-Kurs profitiert hat.

Deutsche Anleger interessieren sich lebhaft für Viag-Aktien. Die Analysten der Dresdner Bank glauben festgestellt zu haben, daß die Viag selbst ihren Ertrag zu konservativ berechnet hat. In einem Exposé kommt die Bank zu der Ansicht, daß die Viag-Aktie (heute knapp 220 Mark) demnächst bis 250 Mark steigen wird und auch dann noch Chancen bietet. Das Interesse für Feldmühle-Nobel besteht fort. Auch hier gibt es neue Höchstkurse. Angeblich soll, ein Flick-Neffe seine Position verstärken. K. W.