Kalte und warme Buffets bedeuten Essensverschwendung en gros. Diese jedoch ist durch das Gesetz vorgeschrieben.

In der bundesdeutschen Cocktailgesellschaft gehört es nicht eben zum guten Ton, sich Lachs und Forellenfilets, Roastbeef und Entenbrust, Shrimps und Hummerfleisch einpacken zu lassen, um die Überreste des Buffets am nächsten Tag daheim zu verspeisen. Die praktischen Amerikaner haben für solche Anlässe den „Dog bag“ erfunden, die Hundetüte, in der offen nach Hause getragen wird, was dann der Hund doch nicht bekommt. Auch in deutschen Landen ermuntert, wo’s noch nicht so steif hergeht, mancher Gastgeber seine Geladenen, vom Buffet doch mitzunehmen, worauf sie Appetit hätten.

Fehlt allerdings solch eine Aufforderung, dann wandert das Restbuffet zunächst in die Hotelküche und später in die Mülltonne. So schreiben es zwingend die Hygieneverordnungen der einzelnen Bundesländer vor, deren entsprechende Vorschriften nahezu deckungsgleich sind. So heißt es zum Beispiel in der Hamburger Hygieneverordnung Paragraph 7, Absatz 2: „In Schank- und Speisewirtschaften, Beherbergungsbetrieben und ähnlichen Betrieben dürfen Lebensmittel, die den Gästen vorgesetzt wurden, zum Genuß für Menschen nicht wieder abgegeben werden.“ Diese Aussage betrifft auch die Speisen eines kalten oder warmen Buffets. So handelt theoretisch bereits jener Kellner gesetzeswidrig, der beim Abservieren auf dem Weg zur Küche schnell ein paar Kaviarkrümel in den Mund schiebt, denn es heißt – wiederum in der Hamburger Hygieneverordnung – unter Absatz 3 des Paragraphen 7: „Genußuntaugliche oder zur Abgabe nach den Absätzen 1 und 2 nicht mehr zugelassene Lebensmittel sind unverzüglich in einem Behältnis oder Raum so auszusondern, daß ihre Verwendung als Lebensmittel ausgeschlossen ist.“

Das bedeutet in der Praxis: Das Schwein wird am nächsten Fütterungstag mit Lachs und Kasseler aus der Mülltonne verwöhnt.

Auch die vielzitierten Altenheime und Kindergärten dürfen keine Abnehmer der Brosamen vom Tisch der Reichen sein. Die Stellungnahme des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes ist klar. Dehoga-Referentin Marita Kaiser: „Was auf Platten bereits vorhanden war, muß vernichtet werden. Was noch in den Lagerräumen liegt und für das Buffet eingekauft wurde, muß der Wirt oder der ausrichtende Hotelier nicht vernichten“ – die Speisen aus Vorratskammer und Kühlraum können dann weiter verwendet werden, wenn „objektiv erkenntlich ist“, so Marita Kaiser, daß der Gastgeber die Reste vom Buffet dem Hotelier überlassen hat. Das Hotelpersonal allerdings hat keinen Zugriff auf die Leckereien – es sei denn, ihr Arbeitgeber ermuntert sie zum Schmaus von Hähnchenschenkeln und Buletten.

Wegen der eindeutigen Rechtslage sind Hoteliers nicht zu bewegen, Stellungnahmen abzugeben, außer der, daß selbstverständlich immer im Sinne des Gesetzgebers gehandelt werde. Die Praxis aber läßt vermuten, daß Hoteliers wohl ihrem Personal Gutes zukommen lassen, wenn zum Beispiel ein nicht angeschnittener Rollbraten in die Tonne wandern soll.

Die Lebensmittelverschwendung durch kalte und warme Buffets geht in die Millionen, aber nicht einmal Schätzungen können annähernd belegen, wieviel Tonnen Ware zu welchem Wert in die Schweinetröge wandern.