ARD, 2. August: „Tote kriegen keine Post“ von William Haie

Ein Hollywoodstar wird siebzig: Robert Mitchum. Wer kennt ihn nicht, diesen Mann, wer kennt nicht dieses Gesicht: die schwer über dunklen Augen lastenden Lider, das ausgeprägte Kinn mit dem Grübchen, die hervorspringende Nase. Gleichmut drückt sich darin aus, auch ein wenig Skepsis. Ein Pokergesicht.

Der Fernsehzuschauer konnte diesem Gesicht am vergangenen Wochenende gleich dreimal wiederbegegnen: Robert Mitchum als amerikanischer Millionär („Vor Hausfreunden wird gewarnt“, 1960), als versoffener Sheriff („El Dorado“, 1965) und in dem Film „Tote kriegen keine Post“ (1982) als ehemaliger Polizist, der sich das Trinken gerade abzugewöhnen versucht.

„Tote kriegen keine Post“ war eine deutsche Erstaufführung, kein für den Film, sondern für das Fernsehen eingerichteten Krimi. Die Handlung plätscherte dahin wie die Barmusik, die als musikalische Umrahmung Mitchum auf seinen Stationen bei der Aufklärung eines Mordes begleitete. Los Angeles, San Francisco, die Berge Nevadas: der Regisseur bot dem gespannten Fernsehzuschauer manch großartige, aber leider allzu bekannte Kulisse. Und auch mit ausgefallenen Kameraperspektiven konnte er die magere Story nicht der Langeweile entreißen.

Aber, so mögen Regisseur und Kameramann erwogen haben, wenn ein Spiegel eine Figur – hier den kleinen, aufgedrehten Kommissar – gleich dreimal zeigt, entsteht schon Bedeutsamkeit und „Tiefe“. Und wenn die Kamera ein Gespräch aus der Vogelperspektive belauscht, soll das der Szene etwas Geheimnisvolles verleihen, das sich im Dialog aber gar nicht wiederfindet.

Natürlich muß sich nicht jeder Krimi-Regisseur des Stilmittels der suspense bedienen, doch hätte diesem Film ein bißchen mehr Spannung und Nervenkitzel durchaus gutgetan. Es geschah nichts Überraschendes. Wie in einem Planspiel wurden die Figuren hin- und hergeschoben, entbehrten die Szenen jeder atmosphärischen Dichte.

Selbst Robert Mitchum konnte den Film nicht retten. Die tragende Figur war er allemal. Denn was die anderen Schauspieler boten, war bloße Pose. Mel Ferrer zeigte sich, wie er sich immer zeigt, als Mann im Hintergrund mit dunkler Brille, dem man weder den ruinierten Geschäftsmann noch den enttäuschten Ehemann und Witwer abnahm.