Düsseldorf

Er möchte nun endlich mal seine Ruhe haben. Ständig rufen Journalisten an, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Seine Freunde frotzeln unentwegt – "auf dem Tennisplatz und überall, wo man hingeht". Besonders Wohlmeinende wiederum sind betroffen: "Was? Sie haben den Orden immer noch nicht?"

Seit nunmehr drei Jahren prüft die nordrheinwestfälische Landesregierung, ob Klaus Förster mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden soll. Der einstige Bonner Steuerfahnder Förster war es, der im Herbst 1975 den bisher größten Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik ins Rollen brachte: die sogenannte Parteispendenaffäre. Bei seinen Vorgesetzten in der Oberfinanzdirektion Köln hatte er sich damit nicht sehr beliebt gemacht. Sie ordneten zunächst an, "in dieser Sache vorläufig keine Fahndungsmaßnahmen zu ergreifen". Dann entzogen sie ihm peu à peu die Ermittlungen. Schließlich sah sich Förster ganz aus der Steuerfahndung herausgedrängt: Er wurde als stellvertretender Leiter ans Finanzamt Köln-Ost abgeordnet. Nachdem seine Klage dagegen in letzter Instanz abgewiesen worden war, schied er vor rund vier Jahren ernüchtert aus dem Staatsdienst aus. Seitdem arbeitet er als Steuerfachanwalt.

Doch losgelassen hat ihn der größte Fall seiner Beamtenlaufbahn bis heute nicht. In Parteispendenprozessen und vor parlamentarischen Untersuchungsausschüssen wurde er immer wieder als Zeuge gehört; vor wenigen Wochen erst wurde er vor dem Untersuchungsausschuß des Düsseldorfer Landtags vernommen. Förster erzählte seine Geschichte auch einer noch größeren Öffentlichkeit: Als vor zwei Jahren vor dem Bonner Landgericht der Prozeß gegen die ehemaligen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs sowie gegen den ehemaligen Generalbevollmächtigten des Flick-Konzerns, Eberhard von Brauchitsch, begann, machte der stern Förster zu dem "Mann, der Flick jagte". Förster wurde Serienheld; wenig später erschien die Fortsetzungsgeschichte als Buch. Die Exklusivrechte an Försters Story waren dem stern 200 000 Mark wert gewesen.

Doch nicht nur materiell, auch ideell sollte der einstige Finanzbeamte entschädigt werden. Dieser Meinung war der Bundestagsabgeordnete und bayerische SPD-Landesvorsitzende Rudolf Schönberger. Bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung beantragte er, Klaus Förster für seine beispiellose Haltung das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, den höchsten Orden, den "die gekaufte Republik" (so der Untertitel eines Spiegel-Buches zum Spendenskandal) zu vergeben hat. Eigentlich mache er sich gar nichts aus Orden, sagt Schöfberger: "Ich würde selber auch keinen annehmen." Er habe Förster – ohne vorher darüber mit ihm zu sprechen – für diese Ehrung lediglich vorgeschlagen, "um zu testen, wie’s um die Staatsmoral bei uns bestellt ist".

Eine: Zeitlang sah es so aus, als hätte der Skandal tatsächlich eine Läuterung bewirkt. Nach den zwei gescheiterten Versuchen im Bundestag, per Amnestiegesetz die Verstöße im nachhinein zu legalisieren, war mit einemmal vom "gläsernen Abgeordneten" die Rede. Die Parteienfinanzierung müsse völlig neu geregelt werden, war zu vernehmen. In dieser Zeit schien man sich in der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten Johannes Rau mit dem Gedanken anzufreunden, dem einst geschmähten Steuerfahnder jetzt den Orden umzuhängen – hätte man sich doch so auch selbst schmücken und demonstrieren können, daß man es ernst meine mit der vielbeschworenen "Selbstreinigung". Das Düsseldorfer Finanzministerium, Försters einstige vorgesetzte Behörde, hat sich gegen die Ordensverleihung allerdings immer vehement gesträubt. Und mittlerweile scheint es auch in der Staatskanzlei keine Befürworter mehr zu geben.

Die Sache werde noch geprüft, sagt Staatssekretär Klaus-Dieter Leister, Chef der Staatskanzlei. Das sagt er seit drei Jahren. Der Vorschlag sei nun mal "in der Landesregierung umstritten". Gewiß habe Förster "unbestritten seine Dienstpflicht erfüllt" – aber mehr halt auch nicht. Zwar tat er dies gegen den Widerstand sämtlicher Vorgesetzter, aber als Begründung für eine Ordensverleihung würde dies in der Tat etwas merkwürdig anmuten. Und so fällt es der Landesregierung schwer, jene "über das dienstliche Maß hinausgehenden Leistungen" (Leister) zu finden, die erbracht worden sein müssen, um als "ordenswürdig" zu gelten. Außerdem, so Leister, sei es ja nicht üblich, Steuerfahnder mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen.