An den Zahlen gibt es nichts zu deuteln: Sie sind entmutigend. Im Juli stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um. 79 000 gegenüber dem Vormonat; im Vergleich zum Juli 1986 waren es 44 000 Arbeitslose mehr. Im zweiten Monat hintereinander hat sich somit die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert, eine Trendwende zum Negativen scheint sich zu bestätigen.

Die Erklärungen, die für dieses Ergebnis geboten werden, sind wenig originell. Für die einen ist es das übliche Sommerloch, für die andern sind es die Schulferien. Und da im September in Bremen und Schleswig-Holstein gewählt wird, verheißt die Bundesregierung für den Herbst wieder bessere Zahlen, schon wegen der „unverändert günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“.

Gerade das müßte aber skeptisch stimmen. Trotz voller Kassen und blendender Geschäftsergebnisse werden kaum neue Arbeitsplätze geschaffen. Offensichtlich fehlt das Vertrauen in die Zukunft, und das heißt wohl auch: in die Bundesregierung. Sie bietet seit Wochen ein Bild der Zerstrittenheit, gleich ob es sich um ordnungspolitische Grundsatzfragen oder um steuerpolitische Taktik handelt. Auch das ist eine wichtige Rahmenbedingung, und ihre Verbesserung wäre keine Hexerei. smi