Kino zu Wasser, Kino zu Schiff, Kino im Zug oder open-air auf der Piazza. Der europäische Feriensommer wird zum Kinosom-Bier.

Den Vogel abgeschossen im Wettstreit um Kinoextravaganz hat sicherlich „La Villette“ in Paris. Inmitten dieses gigantischen Technik-Kommunikationsparks im Nordosten der Seine-Metropole strahlt seit Mai dieses Jahres die „Géode“. Die blitzblanke Edelstahlkugel mit einem Durchmesser von 36 Metern beherbergt das modernste Kino der Welt. 370 Schaulustige können gleichzeitig beobachten, was ihnen auf 1000 Quadratmetern Leinwand entgegenflimmert. Eine dreidimensionale Tontechnik soll das „Superkinoerlebnis“ (so die Veranstalter) perfekt machen. Filmvorführungen im Eineinhalb-Stunden-Rhythmus gibt es täglich außer montags ab 11 Uhr. Eintrittskarten sind für 13 Mark zu bekommen.

Nicht ganz so sensationell, dafür aber liebenswert muten die Angebote anderer europäischer Städte an. Da macht beispielsweise die italienische Hauptstadt auf Kinoveranstaltungen im Rahmen des Sommerfestivals „Estate Romana“ aufmerksam. Auf 30 Plätzen im Zentrum und an der Peripherie Roms sind noch bis in den August hinein Freilichtaufführungen zu sehen. Die Piazza S. Giovanni, die Piazza S. Pietro und das Colosseum zählen zu den luftigen Kinoplätzen, Wann wo welche Filme laufen, erfährt man in Roms Fremdenverkehrsbüros.

Kino unter warmem Sommerhimmel bietet auch das Filmfestival von Locarno. Bis zum 16. August ist jeden Abend auf der Piazza Grande Freilichtkino zu sehen, darunter Filme wie „La Familia“ von Ettore Scola, „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders oder „Lange Abschiede“ und „Tema“, zwei russische Filme,

Im eher kühlen europäischen Norden hat man eine ganz andere Idee verwirklicht. Die dänische Eisenbahn will ihren Gästen lange Nachtfahrten verkürzen und bietet seit diesem Sommer Kino im Zug an. Vorerst allerdings nur auf einer Strecke: Im D-Zug, der um 0.15 Uhr von Kopenhagen in Richtung Frederikshavn startet. Interessenten, so die dänische Bahn, sollten sich rechtzeitig anmelden und dabei die Zugnummer 1595 angeben. 20 Kronen müssen die nächtlichen Kinofans für diese Unterhaltung auf den Tisch legen,

Der Förderverein Deutscher Kinderfilm aus Duisburg organisierte für die Sommerferienwochen das Kinder-Kino-Schiff. Mit Unterstützung des Zweiten Deutschen Fernsehens und der Fördervereine in der Schweiz und den Niederlanden ist seit Ende Juli auf dem Rhein ein umgebauter Dampfer unterwegs. Während der sechswöchigen Reise von Basel nach Amsterdam läuft er mehr als 30 Städte an. 26 Filme von „Samson und Sally“ über „Flußfahrt mit Huhn“ bis hin zu „Pünktchen und Anton“ gehören zum Repertoire, das durch Spielaktionen und ein kulturelles Programm begleitet wird. Zwischen 2,50 Mark und fünf Mark kostet das Kino-Vergnügen.

Eine weitere Kino-Schiff-Idee kommt aus Italien. 1988, im „Europäischen Jahr des Films und Fernsehens“, will das Filmfestival von Rimini aufs Wasser gehen. Das Prachtschiff „Rex“ wird dann 20 Tage lang von Rimini aus durch das Mittelmeer und über den Atlantik bis nach Hamburg kreuzen. Geplant sind Filmvorführungen an Bord und in einigen Städten, darunter in Barcelona und in Lissabon.

Angela Kandt