Von Uwe Prieser

Wenn es wahr ist, daß ein Mensch zu etwas geboren werden kann, dann könnte es sein, daß Berend Beilken zum Segler geboren wurde. Wer nicht weit vom Meer am Fluß aufwächst, für den ist der Geruch des Wassers einer der frühesten Kindheitseindrücke. Dazu gehört auch der Wind und wie sich die Wolken verändern. Doch Wind und Wolken sind einfach nur da, und man begreift sie, ohne es zu wissen. So etwas Dahinschwebendes wie Wassergeruch wird dann zur konkretesten Erfahrung, weil alle die festen, greifbaren Dinge in seiner Atmosphäre erscheinen.

In Augenblicken reinen Glücks fühlt Berend Beilken seinen Blutkreislauf identisch mit dem Kreislauf des Wassers. Dann hat er alles, den Himmel, die Erde, den Wind. "Das Wasser", sagt er, "das Wasser bin ich."

Er ist im Pazifik und im Indischen Ozean gesegelt, durch die Bermuda-See und die Nordsee hinauf und hinunter. In diesen Tagen steuert er die "Diva", eine von drei Hochseejachten der deutschen Flotte beim Admiral’s Cup, durch den englischen Kanal und die Irische See. Dreimal haben die deutschen Segler diese Weltmeisterschaft im Hochseesegeln gewonnen, dreimal ist Berend Beilken aus Bremen-Vegesack dabeigewesen; zweimal – 1973 und 1985 – als Skipper und 1983 als Trainer und Koordinator.

Als er fünf Jahre alt war, ist er im Vegesacker Hafen seine erste Regatta gesegelt. Mit siebzehn fuhr er als Wachkapitän auf der Krupp-Jacht "Germania" das Hochseerennen Buenos Aires – Rio. Die Krupps waren Kunden seines Vaters, und schon sein Vater hatte die Segelmacherei Beilken vom Vater vererbt bekommen. "Wenn mich meine Eltern gefragt haben, was willst du werden, dann mußte ich immer sagen, ich will Segelmacher werden."

Berend Beilken übernahm mit seinem älteren Bruder Hans die Segelmacherei. Durch die Segelerfolge der "Beilken-Brothers", wie sie auf allen Segelrevieren der Welt genannt wurden, nahm der Betrieb ständig an Größe zu, und die Zeit, die für das Segeln blieb, wurde immer weniger. 1968 gewannen Hans und Berend Beilken vor Neuseeland als erste deutsche Segler die Weltmeisterschaft im Eintonner. Das Schiff hieß "Optimist".

Berend Beilken sagt, als Segler müsse man immer eine Alternative im Ärmel haben, weil soviel passieren kann. Wenn der Mast bricht, oder das Ruder bricht, oder das Schiff schlägt leck. Man kann eine ganze Philosophie daraus konstruieren. Das Leben als freie Improvisation unter den Naturgesetzen auf einer Oberfläche, von der man getragen, aber auch erschlagen werden kann. Man kann manchmal beinahe fliegen, aber man kann auch jederzeit absaufen. "Man kann die See nicht erobern, keiner kann das. Man muß die See verstehen und sich mit ihr verbinden", sagt er.