DIE ZEIT

Brot im Überfluß und Spiele satt

Der grün angestrichene Winter, wie Heinrich Heine die deutsche Zwischensaison nannte, ist, kaum begonnen, fast schon vorbei, aber die "Sommerlichen Musiktage" in Hitzacker und die "Nymphenburger Sommerspiele" haben trotzdem stattgefunden.

Ein Mann gießt Feuer ins Öl

Der Krieg zwischen Irak und Iran dauert schon fast sieben Jahre, länger als der Zweite Weltkrieg. Er hat bisher eine Million Tote und Verwundete gekostet.

Zeitspiegel

Alle Jahre wieder stellt der britische Premierminister eine Honour List zusammen, um zu adeln, wem Adel gebührt. Diesmal entledigte sich Margaret Thatcher bekannt souverän, aber auch bekannt kleinlich der angenehmen Aufgabe.

Aus Schwäche aufs Ganze

Mit der Attacke auf Mekka wollte Chomeini das Scheitern seiner panislamischen Ansprüche überspielen

Murren in der CSU: Niemand denkt an einen Bruch

Langer Seufzer einer gequälten CSU-Seele: Norbert Blüm hat sich um die Koalition nicht verdient gemacht. Nur weil er in Chile wie Nick Knatterton ermittelte, sollen sie ihre Ferien unterbrechen und am Freitag in Bonn zur Sondersitzung erscheinen? Ungewollt liefern sie ihm damit noch die Kulisse, vor der er sich mit seinem Bericht im außen- und innenpolitischen Ausschuß profilieren kann.

Unbehagen an den Freunden

Das Gespräch mit sieben Amerikanern am abendlichen Eßtisch wandte sich wieder einmal (und sicher nicht zum letzten Mal) der Frage der demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu.

Diskussion über Sterbehilfe: Die Suche nach dem Ausweg

Es gibt neben kritischen – und böswilligen – Standeskollegen auch andere ernstzunehmende Menschen, die bezweifeln, daß der Medizinprofessor Julius Hackethal wirklich der richtige Mann ist, den Diskurs um humane Sterbehilfe in der Bundesrepublik zu fördern.

Wolfgang Ebert: Sandkastenspiele

„Ohne Rakete kommt man sich geradezu nackt vor, besonders am Strand“, findet auch Klein-Manfred und reibt sich den Sand aus den Augen.

BONNER BÜHNE: Lokalverbot für FJS

„Lieber Herr“, so hat Friedhelm Meisen, Gastwirt in Gummersbach-Rebbelroth, an Franz Josef Strauß geschrieben, „mit Ihrer Kritik an der Chile-Reise unseres Arbeitsministers Norbert Blüm im einzelnen und unserem Außenminister Genscher im besonderen rücken Sie in die Nähe von menschenverachtendem, engstirnigem Denken.

Italien: „Das Wunder“

Vergangene Woche hatte Giovanni Goria seine Regierungserklärung vor dem Senat verlesen; diese Woche debattierte die Abgeordnetenkammer in Rom darüber; kaum jemand zweifelte daran, daß ihm die Parlamentarier der Fünf-Parteien-Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Republikanern und Liberalen das Vertrauen aussprechen werden.

Panama: Noriegas Taktik

In manche Anzüge der Väter wachsen die Söhne nie hinein, und das scheint für Panamas starken Mann, den General der Nationalgarde, Manuel Antonio Noriega, immer ein Problem gewesen zu sein.

England: Das Gesetz als Esel

Im Mutterland der Demokratie ist es mit der Informations- und Pressefreiheit nicht mehr weit her: Mit allen Mitteln versuchen die Thatcher-Regierung und der Oberste Gerichtshof die Berichterstattung über die Memoiren des Ex-Agenten Peter Wright zu verhindern – und ernten dabei Hohn und Spott.

„Big John“ ist pleite

Sein Leben böte Stoff für Fernsehdramen, die „Dallas“ zum Kinderprogramm reduzierten: John B. Connally, Politiker und erfolgloser Präsidentschaftsanwärter, erst Demokrat, dann Republikaner, Anwalt und Viehzüchter, Texaner in Überlebensgröße.

Der jüdische Name als Stigma

Am 12. Mai 1932 kam es im Berliner Reichstag zu einem dramatischen Vorfall. Der SPD-Abgeordnete Otto Wels hatte sich mittags im Parlamentsrestaurant mit Dr.

Familie, demokratisch

Nein, so was führen wir leider nicht", bedauert Herr Wenzel vom Berliner Statistischen Landesamt. "Das ist ja auch ein definitorisches Problem", gibt der Experte für Bevölkerungsstatistik zu bedenken.

Mutprobe für den Chef

Nach den Vorschlägen der Regierungskommission zur Liberalisierung der Post droht ein weiterer Krach in der Koalition

Unctad-Konferenz: Illusionslos

Ohne konkrete Ergebnisse ist in Genf die siebte Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) zu Ende gegangen.

Arbeitslosigkeit: Entmutigend

An den Zahlen gibt es nichts zu deuteln: Sie sind entmutigend. Im Juli stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um.

Bonner Kulisse

Die Polemik um eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer geht weiter. Gudrun Weyel, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, weiß es am besten: „Stoltenbergs Äußerung, das Steuerpaket 1990 ohne Mehrwertsteuer-Erhöhung finanzieren zu wollen, ist Wählerbetrug.

Mehr Sein als Schein

Es war nur eine Frage der Zeit: Nach langen Personalquerelen übernimmt Edzard Reuter nun Anfang September das Steuer bei Daimler-Benz.

Roboter: Wenn der Musterknabe ausflippt

Nach den Eigenschaften zu urteilen, die ihnen nachgesagt werden, sind sie regelrechte Musterknaben: Ihre Väter preisen sie als extrem belastbar, hart im Nehmen, auf die Sekunde pünktlich, auf den Millimeter genau, als harmlos und diszipliniert.

Zeit und Geld: Bundesbürger bleiben Aktienmuffel

Privatpersonen halten mehr Aktien – teilt der Arbeitskreis Aktie stolz mit und rechnet vor, daß der Nennwert der Depotbestände von inländischen Privatpersonen von 1980 bis 1986 um dreißig Prozent gestiegen sei und sich der Kurswert gar mehr als verdreifacht habe.

BMW auf Rekordfahrt

Über einen Mangel an Aufträgen brauchen sich die Wertpapierabteilungen der Banken nicht länger zu beklagen. In den Börsensälen geht es wieder lebhaft zu.

LÄNDER IM VERGLEICH

Spitzenreiter bei den Ausgaben für die Gesundheit sind die Amerikaner. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gab im Durchschnitt jeder US-Bürger im Jahr 1637 Dollar aus.

ZEITRAFFER

In der Bundesrepublik verteuerte sich die Lebenshaltung im Juli um 0,7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat. Das liegt vor allem an den nicht mehr so günstigen Energiepreisen.

Fluch der bösen Tat

Der 49jährige Yucio Iwasaci war sechs Monate lang stolzer Besitzer eines Audi 100 – bis zum 14. Juli dieses Jahres. Als sich Iwasaci an diesem brütendheißen Sommertag hinter das Steuer seines deutschen Importwagens setzte und den Motor anließ, passierte es: Mitten im zähflüssigen Verkehr des Tokioter Stadtteils Shibuya preschte der Audi plötzlich mit Vollgas los.

Ansprüche steigen

Brüning: Zwei Dinge, die neu dazugekommen sind: eine Flut von Vorschriften im Bereich der Verwaltung von Wohnungen, und vor allen Dingen das veränderte Mieterverhalten und das neue Mieterselbstbewußtsein, die dazu führen, daß ein mehr auf Service gerichtetes Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter entsteht.

MANAGER UND MÄRKTE

Einer ziert sich noch: Wenn der Heinrich Bauer-Verlag sich endlich durchringt, beim privaten TV-Sender RTL plus einzusteigen, dann haben die Luxemburger Programmacher ihre Gesellschafter komplett.

Angesteckt und abgeschoben

Arbeitgeber reagieren verständnislos und Kollegen panisch auf Aids-Infizierte am Arbeitsplatz / Von Ludwig Siegele und Joachim Zepelin

Draußen vor der Tür

Krach bei Luchterhand: Was wird aus einem profilierten literarischen Verlag und seinen Autoren?

Das Festival von Avignon im vierzigsten Jahr: Theater rund um die Uhr. Antoine Vitez und seine Zwölf-Stunden-Inszenierung von Claudels "Seidenem Schuh" im Palast der Päpste. Kleists "Käthchen" und "Penthesilea". Mit Schauspielschülern inszeniert Patrice Chéreau Tschechows Jugendstück "Platonow". John Neumeiers neues Johann-Sebastian-Bach-Ballett "Magnificat".: Im Licht der Nacht

Am Ende waren alle satt. Aufgetischt wurden am 19. Mai 1342 im Kloster der Dominikaner zur Krönung des Papstes Clemens VI., dessen Palast für die Freunde der Tafel damals noch zu klein gewesen wäre: 118 Ochsen, 1023 Schafe, 101 Kälber, 914 Ziegenkitze, 60 Schweine, 69 Zentner Speck, 15 Störe, 300 Hechte, 10 471 Hähnchen, 1446 Gänse, 39 980 Eier, 3611 Äpfel, 50 000 Torten, 5500 Krüge und 2212 Flaschen Wein und – man lebte wie Papst in Frankreich – 46 856 Portionen verschiedener Käsesorten.

Zeitmosaik

Große dunkle Zigeuneraugen, tiefschwarze Lidschatten, ein wilder Blick: Pola Negri war der erste Vamp der Filmgeschichte. Wer ihm verfiel, war verloren.

Kunstkalender

Venedig könne sich noch immer rühmen, die fähigsten Maler von ganz Italien zu besitzen, urteilte der Kupferstecher und Kunstschriftsteller Charles Nicolas Cochin im Jahre 1758, Maler zudem, die sich mit den besten in ganz Europa messen könnten.

Filme

So abgebrüht sind wir schon, so verlottert, verkommen und verroht, daß wir bei einem Überfall auf die Eisenbahn automatisch erst mal den Banditen die Daumen drücken.

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